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Familienrecht und Unterhaltsrecht | 14.01.2016

Kindesunterhalt

Unterhaltsberechnung nach Düsseldorfer Tabelle: Wie wird der Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle berechnet?

Bei der Düsseldorfer Tabelle handelt es sich um eine seit 1962 vom Oberlandesgericht Düsseldorf herausgegebene Leitlinie zur Bemessung von Unterhalt und ist nicht rechtsverbindlich. Mehr zu diesem Thema können Sie hier nachlesen: Was ist die Düsseldorfer Tabelle und wo ist die Düsseldorfer Tabelle veröffentlicht? Neben dem Ehegattenunterhalt, dem Verwandtenunterhalt und den Mangelfällen stellt die Düsseldorfer Tabelle auch Leitlinien für den Kindesunterhalt auf. Doch wie wird dieser genau berechnet?

Wie wird der Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle berechnet?

Unter Zugrundelegung des Nettoeinkommens des Unterhaltspflichtigen und der Altersstufe des Unterhaltsberechtigten kann anhand der Düsseldorfer Tabelle die Unterhaltshöhe festgestellt werden. Zu berücksichtigen ist ferner das Kindergeld sowie der Bedarfskontrollbetrag. Im Einzelnen gilt folgendes:

  • Ermittlung der Einkommensstufe
    Zunächst wird nach dem Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen gefragt. Es werden 10 Einkommensstufen von 0 bis 5.100 Euro aufgelistet. Bei Nettoeinkommen von über 5.100 Euro ermitteln die Gerichte den Unterhaltsbetrag einzelfallabhängig. Zu beachten ist, dass es sich beim Nettoeinkommen im Sinne der Düsseldorfer Tabelle nicht um den tatsächlichen Nettobetrag des Arbeitseinkommens handelt. Vielmehr können einige Aufwendungen abgezogen werden.

    Zu beachten ist zudem, dass die Düsseldorfer Tabelle von zwei Unterhaltsberechtigten ausgeht. Muss der Unterhaltsverpflichtete dagegen nur für eine Person Unterhalt zahlen, ist die nächsthöhere Einkommensstufe anzuwenden. Ist er demgegenüber für mehr als zwei Personen unterhaltspflichtig, ordnet er sich in die nächst niedrigere Einkommensstufe ein.

Bsp.: Verfügt der Unterhaltspflichtige über ein Nettoeinkommen von 2.000 Euro und ist er gegenüber zwei Personen unterhaltspflichtig, so findet die 3. Einkommensstufe Anwendung. Muss er dagegen nur für eine Person Unterhalt zahlen, ordnet er sich in die 4. Einkommensstufe ein. Besteht die Unterhaltspflicht demgegenüber für drei oder mehr Personen, so rutscht er in die 2. Einkommensstufe.

  • Ermittlung der Altersstufe
    Ist die fragliche Spalte zum Nettoeinkommen in der Tabelle gefunden, kommt es auf die Altersstufe des Unterhaltsberechtigten an. Die Düsseldorfer Tabelle unterscheidet zwischen vier Altersstufen (0-5, 6-11, 12-17 und ab 18 Jahren). Hat man die richtige Spalte gefunden, erhält man einen Zahlbetrag.

Bsp.: Der Unterhaltspflichtige verfügt über ein Nettoeinkommen von 2.000 Euro und muss nur für seinen 6-jährigen Sohn Unterhalt zahlen. Der Vater ordnet sich daher in die 3. Einkommensstufe ein. Der Sohn befindet sich wiederum in der 2. Altersstufe von 6-11 Jahren. Er erhält somit einen Zahlbetrag von 442 Euro.

  • Abzug des Kindergelds
    Der Zahlbetrag stellt jedoch noch nicht den zu zahlenden Unterhalt dar. Vielmehr ist von dem Betrag das Kindergeld abzuziehen. Bei minderjährigen Kindern und volljährigen privilegierten Kindern ist die Hälfte des Kindergelds vom Zahlbetrag abzuziehen. Bei allen übrigen unterhaltsberechtigten Kindern ist das Kindergeld in voller Höhe zu berücksichtigen.

Bsp.: Der Unterhaltspflichtige erhält ein Nettoeinkommen von 2.000 Euro und ist nur gegenüber seinen 6-järigen Sohn unterhaltspflichtig. Für ein Kind erhält man ein Kindergeld von 190 Euro. Da der Sohn noch minderjährig ist, ist das Kindergeld nur zur Hälfte vom Zahlbetrag abzuziehen. Von den 442 Euro sind also 95 Euro abzuziehen. Es verbleibt ein Unterhalt von 347 Euro (190 : 2 = 95, 424 – 95 = 347).

  • Korrektur durch Bedarfskontrollbetrag
    Schließlich ist noch der Bedarfskontrollbetrag von Bedeutung. Dieser befindet sich in jeder Spalte zu einer Einkommensstufe des Unterhaltspflichtigen. Der Bedarfskontrollbetrag soll gewährleisten, dass es nicht zu einer ungerechten Einkommensverteilung kommt. Der Unterhaltsberechtigte soll nicht finanziell besser gestellt werden als der Unterhaltspflichtige. Ist das Resteinkommen des Unterhaltspflichtigen nach Abzug der zu leistenden Unterhaltszahlungen geringer als der Bedarfskontrollbetrag, so wird der Unterhaltspflichtige in die nächst niedrigere Einkommensstufe eingeordnet. Dies findet so oft statt, bis der Bedarfskontrollbetrag nicht mehr unterschritten wird.

    Der Bedarfskontrollbetrag darf nicht mit dem Selbstbehalt (Eigenbedarf) verwechselt werden.

Die geltende (aktuelle) Düsseldorfer Tabelle können Sie hier finden: Düsseldorfer Tabelle 2016.

Bearbeitungsstand: 14.01.2016

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Kommentare (5)

 
 
ex Unterhaltspflichtiger schrieb am 15.01.2016

Die Tabelle ist genau wie die alten Tabellen in den unteren Einkommensgruppen gar nicht umsetzbar. So wird man automatisch zum Mangelfall. Warum?

Andreas schrieb am 14.01.2016

In den Rechenbeispielen geht der Autor eine Stufe niedriger als höher. Ich glaube hier liegt ein Fehler vor. (So müsste der Vater mit mtl. EUR 2.000 netto für den 6j. Sohn nicht EUR 404 abgzl. 50 % Kindergeld ansetzen, sondern EUR 442 abgzl. 50 % Kindergeld. So kenne ich es von meinem Jugendamtbescheid. Bitte prüfen und ggf. korrigieren. Danke!

Andreas antwortete am 14.01.2016

niedriger "statt" höher (nicht "als").

Andreas schrieb am 14.01.2016

Das Kindergeld beträgt nicht mehr EUR 184,00 sondern seit 01.01.2016 Euro 190 für das erste Kind! Bitte den Betrag im Artikel anpassen, auch in der Beispielrechnung. (Bereits 2015 galten seit Juli rückwirkend zum 01. Januar EUR 188 und nicht mehr EUR 184). Danke für den Artikel!

siehe z.B. http://www.kindergeld.org/

Peter schrieb am 12.01.2015

Na ja, komplett ist die Beschreibeung auch nicht! Alles im Sinne des Kindes? Die sehen sehr häufig nichts davon!

Die Auflistung der Aufwendungen der Zahlende(r) könnte ruhig aufgeführt werden. Kilometerpauschale, Arbeitsmittel ect.. Dann sehen die Zahlungspflichtigen ein klein bisschen besser drein!

Klar wird so was nich gerne hinzugefügt. Damit können die Herren und Damen Rechtsanwälte nicht mehr so viel verdienen!"

www.kanzlei-hasselbach.de/2014/unterhalt-kuerzen-mit-sonderausgaben/06/#nettoreduzieren

www.familienrecht-allgaeu.de/de/berufsbedingte-aufwendungen.html

www.finanztip.de/unterhalt-volljaehrige-kinder/

www.unterhalt.net/unterhaltsrecht/wegfall-minderung-unterhalt.html

www.vaeterfuerkinder.de/unterhalt1.htm

... oder?

Mit freundlichen Grüßen!

Euer Peter

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