Werbung
Werbung

Ist Ihr Problem komplizierter als unsere Frage?

Holen Sie sich Hilfe!

Bei speziellen, individuellen Rechts­fragen sollten Sie immer den Rat einer Rechts­anwältin oder eines Rechts­anwalts einholen.

Rechtsanwälte aus ganz Deutschland finden Sie im Deutschen Anwaltsregister.

Strafprozessrecht und Strafrecht | 24.04.2015

Bewährung

Wann wird eine Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt?

Im Rahmen eines Strafprozesses kann eine Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Das bedeutet für den Verurteilten, dass er in Freiheit bleibt. Lässt er sich jedoch etwas zuschulden kommen, begeht er also eine weitere Straftat oder verstößt er gegen Bewährungsauflagen, kann die Bewährung widerrufen und die Freiheitsstrafe muss angetreten werden. Doch unter welchen Voraussetzungen kommt eine Bewährung überhaupt in Betracht?

Wann wird eine Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt?

Voraussetzung für eine Bewährung ist zunächst das Vorliegen einer Freiheitsstrafe von maximal zwei Jahren. Zudem muss eine günstige Sozialprognose für den Verurteilten bestehen. Eine solche liegt vor, wenn zu erwarten ist, dass der Verurteilte sich schon die Verurteilung zur Warnung dienen lassen und künftig auch ohne die Einwirkung des Strafvollzugs keine Straftaten mehr begehen wird. Es kommt in diesem Zusammenhang auf eine Gesamtwürdigung unter Berücksichtigung folgender Punkte an (vgl. § 56 Abs. 1 StGB):

  • Persönlichkeit des Verurteilten
  • sein Vorleben
    Im Rahmen des Vorlebens des Verurteilten kommt es insbesondere auf seine Vorstrafen an. Eine Bewährung wird dann nicht in Betracht kommen, wenn der Verurteilte wiederholt dieselben Straftaten begangen hat, die Vorstrafen gewichtig sind oder sie noch nicht lange zurückliegen. Auch ein früherer Bewährungsbruch macht eine Strafaussetzung unwahrscheinlich.

  • Umstände seiner Tat
    Hier spielen die Beweggründe und Tatziele des Verurteilten eine Rolle.
  • sein Verhalten nach der Tat
    Bei diesem Punkt sind zum Beispiel die Aufnahme einer freiwilligen Behandlung, günstige Veränderungen der Lebensverhältnisse oder die Änderung der Persönlichkeit aufgrund eines tragischen Geschehens zu berücksichtigen. Zeigt der Verurteilte Reue oder versucht er den Schaden wieder gut zu machen, begünstigt das ebenfalls eine Bewährung.
  • seine Lebensverhältnisse
    Im Zusammenhang mit seinen Lebensverhältnissen ist beispielsweise zu prüfen, in welchen Familienverhältnissen der Verurteilte lebt und ob er einen Beruf ausübt.

  • zu erwartende Wirkungen durch die Bewährung
    Schließlich ist danach zu fragen, welche Wirkungen die Aussetzung der Freiheitsstrafe auf den Verurteilten haben wird, etwa in beruflicher oder familiärer Sicht.

Eine günstige Sozialprognose ist jedoch nicht stets ausreichend für die Verhängung einer Bewährungsstrafe. Im Einzelnen dazu folgendes:

  • Freiheitsstrafe von unter sechs Monaten
    Bei einer Freiheitsstrafe von unter sechs Monaten genügt für eine Bewährung eine günstige Sozialprognose. Zu beachten ist, dass bei Vorliegen der günstigen Prognose eine Aussetzung zwingend ist.

  • Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis einem Jahr
    Eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis einem Jahr kann nur dann zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn eine günstige Sozialprognose besteht und die Vollstreckung der Strafe nicht zur Verteidigung der Rechtsordnung geboten ist. Die Vollstreckung ist dann geboten, wenn aufgrund von schwerwiegenden Besonderheiten des Falls die Bewährung gegen das Rechtsempfinden der Bürger verstoßen würde und das Vertrauen der Bürger in das Rechtssystem erschüttert werden könnte.
  • Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zwei Jahre
    Die Aussetzung einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zwei Jahren ist nur dann möglich, wenn eine günstige Sozialprognose besteht, die Vollstreckung der Strafe nicht zur Verteidigung der Rechtsordnung geboten ist und nach der Gesamtwürdigung von Tat und Persönlichkeit des Verurteilten besondere Umstände vorliegen. Voraussetzung soll das Vorliegen von Milderungsgründungen mit besonderem Gewicht sein (Bsp.: Umfassendes Geständnis eines nichtvorbestraften Täters, lange Untersuchungshaft, Stabilisierung der Lebensverhältnisse).

Bearbeitungsstand: 24.04.2015

BewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertung: 3.7 (max. 5)  -  3 Abstimmungsergebnisse Bitte bewerten Sie diesen Artikel.0
 
Werbung

Kommentare (4)

 
 
GAST123 schrieb am 21.04.2017

Die Gefängnisse sind voll mit "nicht deutschen".

Ich war selber im Gefängnis und der Anteil an deutschen ist sehr gering!

Horst Müller schrieb am 27.04.2015

Es ist allgemein bekannt, dass ausländische Straftäter, bzw. Migranten, nicht mehr zu Gefängnisstrafen verurteilt werden, weil es sich der Staat nicht mehr leisten kann, die Kosten zu tragen. 1 Gefängnisplatz kostet dem Steuerzahler ca. 120.000 Euro p.a.

Sogar bei fahrlässiger Tötung, gibt es nur noch Bewährungsstrafen!

deiser antwortete am 29.04.2015

120.000???

Gibt es hierzu eine verlassliche Quellenangabe?

Gast545 antwortete am 29.09.2016

@Horst Müller

Als wenn die Justiz die schwedischen Gardinen nur für Deutsche reservieren würde. Bei kleineren Delikten gibt es kein Gefängnis. Das scheint so zu sein. Die Nationalität ist aber grundsätzlich egal.

Werbung
 
Sie brauchen Hilfe vom Profi?

Finden Sie eine Anwältin oder Anwalt aus Ihrer Region in Deutschlands großer Anwaltssuche.

Eintragen im DAWR
Anzeige
 

refrago ist ein Service der ra-online GmbH, der sich zum Ziel gesetzt hat, leicht verständliche Erklärungen für Rechtsfragen von allgemeinem Interesse zu finden.

Alle Ausführungen auf refrago erfolgen ohne Gewähr und ersetzen keine Rechtsberatung. refrago empfiehlt bei individuellen Rechtsfragen, einen Anwalt zu konsultieren, den Sie z.B. unter www.anwaltsregister.de finden können.