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Versicherungsrecht | 09.11.2015

Kündigungsgründe

Besteht für die Kfz-Versicherung ein Sonderkündigungsrecht?

Die Kfz-Versicherung ist entgegen landläufiger Meinung bei Vorliegen spezieller Gründe außerordentlich kündbar. Grundsätzlich kann jede Kfz-Police zum Ende eines Versicherungsjahres gekündigt werden. Die Kündigungsfirst beträgt immer einen Monat. Der Stichtag für die ordnungsgemäße Kündigung ist der 30. November, sprich einen Monat vor Ablauf des Vertragsjahres. Aber besteht für die Kfz-Versicherung ein nicht auch ein Sonderkündigungsrecht?

Auto im TunnelRasender Wechsel mit dem Sonderkündigungsrecht bei der Kfz-Versicherung.Quelle: pixabay © wolter_tom (CCO Public Domain)

Unter bestimmten Bedingungen lässt sich die Kfz-Versicherung auch außerhalb dieser Frist kündigen. Verbraucher können dann ausnahmsweise vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen.

Achtung: Einige Kfz-Versicherungen haben seit einigen Jahren in Neuverträgen die Kündigungsfristen verändert. Das Versicherungsjahr ist in diesem Fall nicht mehr mit dem Kalenderjahr identisch. Eine Prüfung der Vertragsunterlagen ist zu empfehlen.

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Kündigungsgründe für das Sonderkündigungsrecht
1. Beitragserhöhung

Verbraucher können das Sonderkündigungsrecht nutzen, wenn die Kfz-Versicherung ihre Beiträge erhöht, ohne gleichzeitig den Umfang der Versicherungsleistung zu erweitern. Die Sonderkündigung ist ab dem Zeitpunkt der Bekanntgabe der Beitragserhöhung möglich. Die Kündigungsfrist beträgt mit Erhalt der Benachrichtigung genau einen Monat. Die Versicherungen versenden dafür aber kein Schreiben. Verbraucher erfahren die Beitragserhöhung in der Jahresrechnung, die sie im November oder Dezember zugeschickt bekommen. Der Kfz-Experte Sascha Homann rät den Versicherungsnehmern, sich die Abrechnung anzusehen und die zu zahlenden Beträge mit denen des Vorjahres zu vergleichen. Er sagt: „Wenn die Kosten in der Haftpflicht oder Kaskoversicherung gestiegen sind, können Verbraucher aus dem bestehenden Vertrag mit der Versicherung austreten. Ein detaillierter Versicherungsvergleich lohnt sich eigentlich immer, denn es lassen sich in den meisten Fällen deutlich günstigere Angebote finden.“

2. Änderung der Typklasse

AutoViele Mazda-Fahrer müssen 2016 mehr zahlen.Quelle: pixabay © Unsplash (CCO Public Domain)

Jedes Jahr im September veröffentlicht die GDV Dienstleistungs-GmbH die neuen Typklassen. Bei den meisten Fahrzeughaltern hat sich nichts geändert, einige werden sogar niedriger eingestuft. Für Verbraucher, deren Wagen höher eingestuft wurden, gibt es die Möglichkeit, die Autoversicherung außerordentlich zu kündigen. Voraussetzung ist, dass die Veränderung der Regional- oder Typklasse des Fahrzeugs auf der Beitragsrechnung vermerkt ist. Denn die Kfz-Versicherung muss diese nicht zwingend übernehmen. Siehe zu den neuen Typklassen ausführlich: Kasko-Versicherung: Viele Autos 2016 in neuer Typklasse

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3. Kündigung bei verdeckter Beitragserhöhung

Autoreparatur ListeSobald der Schaden bezahlt ist, lässt sich die Kfz-Haftpflicht kündigen.Quelle: pixabay © stevepb (CCO Public Domain)

Viele Verbraucher überfliegen die Rechnung und freuen sich, dass sich für sie nichts ändert. Dabei haben sie vergessen, dass sich die Schadenfreiheitsklasse auf den Beitrag auswirkt und diesen reduziert. Wenn der Fahrzeughalter aufgrund von Unfallfreiheit in eine bessere SF-Klasse eingestuft wird, sollte sich der Jahresbeitrag verringern. Ist das nicht der Fall, dann gleicht die Schadenfreiheitsklasse lediglich die Beitragserhöhung aus. Man spricht dann von einer verdeckten Beitragserhöhung. Verbraucher können diese aufdecken, indem sie auf der Rückseite der Rechnung den Vergleichsbetrag prüfen. Dieser ist oft nur klein gedruckt und leicht zu übersehen. An dem Vergleichsbeitrag sehen die Kunden, wie viel sie im Vorjahr gezahlt hätten, wenn sie damals schon in der neuen Schadenfreiheitsklasse gewesen wären. Falls dieser Betrag niedriger ist, als der tatsächlich zu zahlende Beitrag, können die Versicherten kündigen, da die günstigere SF-Klasse den teuren Tarif verschleiert.

Achtung: Es liegt kein Sonderkündigungsrecht vor, wenn die Erhöhung des Beitrags aus einer Rückstufung der SF-Klasse resultiert. Auch wenn der Versicherte aufgrund eines Umzugs in eine ungünstigere Regionalklasse kommt, hat er keine Möglichkeiten auszutreten.

4. Kündigung im Schadensfall

Verbraucher können im Schadensfall innerhalb von einem Monat nach der Behebung des Schadens ihre Kfz-Versicherung wechseln, da sie nach dem Unfall in eine schlechtere SF-Klasse kommen. Mit einem Vergleichsrechner kann es sich in diesem Fall lohnen, nach einer günstigeren Police zu suchen, die trotz der neuen SF-Klasse immer noch billigere Tarife hat als die der bestehenden Versicherung.

5. Fahrzeugwechsel ermöglicht Sonderkündigung

Bei einem Fahrzeugwechsel können Verbraucher ihre Autoversicherung fristlos kündigen. Sobald diese ihren alten Wagen abgemeldet und ein neues Fahrzeug angemeldet haben, können sie auf das Sonderkündigungsrecht zurückgreifen.

Anders sieht es beim Verkauf eines angemeldeten Fahrzeugs aus. Dann geht die Police automatisch an den neuen Besitzer über. Dieser kann anschließend innerhalb eines Monats kündigen.

Was sollte das Kündigungsschreiben enthalten?

Kfz-Versicherung unterschreibenDie Kündigung unbedingt mit einer Unterschrift versehen.Quelle: pixabay © picsues (CCO Public Domain)

Grundsätzlich sollte die Sonderkündigung immer schriftlich und als Einschreiben mit Rückschein oder Einwurf-Einschreiben erfolgen. Zwar akzeptieren einige Assekuranzen auch eine Kündigung per E-Mail oder Fax, doch rechtlich befinden sich die Verbraucher auf unsicherem Terrain. Wenn im Laufe der Kündigung Unstimmigkeiten entstehen, können die Versicherer nur schwer nachweisen, dass sie die Kündigung fristgerecht versendet haben und dass der Empfänger diese erhalten hat. In dem Kündigungsschreiben müssen die Verbraucher ausführlich Bezug auf den Grund der Kündigung nehmen und diesen erklären. Anderenfalls hat die Assekuranz das Recht, die Sonderkündigung abzulehnen. Muster für Kündigungsschreiben finden sich im Internet.

Übrigens lassen sich auch andere Versicherungen wie die Haftpflicht-, die Hausrat-, die Rechtsschutz- oder die Tierhalterversicherung bei einer Beitragserhöhung oder im Schadensfall außerordentlich kündigen. Spätestens einen Monat nach Schadensregulierung muss das Kündigungsschreiben bei der Versicherung eingehen. Die Kündigung erfolgt mit sofortiger Wirkung. Gebäudeversicherungen lassen sich auch innerhalb eines Monats wechseln. Allerdings benötigen die Versicherer dafür die Einwilligung der Gläubiger oder einen beglaubigten Grundbuchauszug.

INFO Sonderkündigungsrecht:

Verträge benötigen die Willenserklärung aller Vertragsparteien, damit die vereinbarte Leistung erfüllt werden kann. Die Leistungspflicht ist durch den Vertragsschluss rechtlich bindend. Sofern die Kfz-Versicherung ihrer Leistungspflicht vertragskonform nachkommt, besteht für Verbraucher nur die Möglichkeit einer ordentlichen Kündigung nach Ablauf der vereinbarten Vertragslaufzeit.

Das Sonderkündigungsrecht kommt in Betracht, wenn die Autoversicherung das Recht hat, Vertragsbedingungen wie die Beitragshöhe einseitig zu ändern. Verbrauchern wird dann unter bestimmten Umständen das Recht zugebilligt, durch eine Sonderkündigung vorzeitig aus dem Vertrag auszutreten, wenn sie die geänderten Bedingungen nicht akzeptieren wollen.

Sollten Sie Probleme mit Ihrer Kfz-Versicherung haben, dann kann Ihnen ein Anwalt für Versicherungsrecht weiterhelfen.

Bearbeitungsstand: 09.11.2015

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