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Arbeitsrecht | 10.11.2015

Überblick Rechtsberufe

Rechtsberufe: Welche Jobs gibt es im Rechtswesen - außer Richter und Anwälte?

Das Rechtswesen in Deutschland stellt einen großen Bereich dar, der generell viele Arbeitsplätze bietet. Für viele Berufe ist es nicht einmal nötig, Jura zu studieren und dennoch am rechtlichen Bereich teilnehmen zu können. Im kaufmännischen Bereich gibt es diverse Ausbildungsberufe, die durchaus Potenzial bieten. Welche Berufe gibt es im Rechtswesen?

RichterhammerJobs im Justizwesen sind durchaus abwechslungsreich. Allerdings kommt es auch immer auf das jeweilige Umfeld an.Quelle: © Succo (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

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Jobs im Rechtswesen - ein Überblick

Wenn man im Rechtswesen arbeiten will, muss man nicht unbedingt Richter, Anwalt oder Staatsanwalt werden. Es gibt auch noch weitere Berufe im Rechtswesen. Welche Berufe gehören eigentlich noch zum Rechtswesen und können ohne ein Studium erlernt werden?

  • Rechtsanwaltsfachangestellte/r
  • Notarfachangestellte/r
  • Kombination Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r
  • Rechtspfleger/in
  • Justizfachangestellte/r
  • Beamter/Beamtin im mittleren Justizvollzugsdienst
  • Beamter/Beamtin im mittleren Justizdienst

Die Berufsbezeichnungen geben zwar einen Überblick, sagen aber noch recht wenig über die einzelnen Berufsbilder und die Anforderungen aus, weshalb sie nun genauer erklärt werden:

  • Rechtsanwaltsfachangestellte/r: In diesem Beruf geht es hauptsächlich um umfangreiche Büroarbeiten, die die Rechtsanwälte entlasten und bei ihrer Arbeit unterstützen. Insbesondere fällt die Anlage und Pflege der einzelnen Akten in den Aufgabenbereich. Des Weiteren müssen Rechtsanwaltsfachangestellte Schriftsätze nach Diktat verfassen und mit Anlagen versehen, Mandate abrechnen, Termine vereinbaren und die Fristen überwachen. Gerade der letzte Bereich ist anspruchsvoll, da die gerichtlichen Fristen einzuhalten sind. Übergeordnet steht die Betreuung der Mandanten auf dem Tagesplan.
  • Notarfachangestellte: Das Berufsbild unterscheidet sich nur gering von dem der Rechtsanwaltsfachangestellten. Anstelle von Klagefällen und gerichtlichen Auseinandersetzungen stehen bei Notarfachangestellten jedoch Beurkundungen und das Verfassen von Verträgen im Vordergrund.
  • Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte: Dieser Ausbildungsberuf ist nicht in allen Bundesländern erlernbar, stellt aber eine Kombination aus Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten dar. Während der Ausbildung werden beide Berufe erlernt, wobei durch die Notarausbildung Faktoren wie das Mahn- und Vollstreckungsverfahren oder Gebührenrecht im Rechtsanwaltsbereich nur knapp beleuchtet werden. Die Ausbildung findet in Kanzleien statt, in denen wahlweise Notare und Rechtsanwälte arbeiten, oder aber, wie in einigen Bundesländern möglich, der Rechtsanwalt auch gleichzeitig als Notar tätig ist.
  • Rechtspfleger: Anstelle in einer Kanzlei arbeiten Rechtspfleger bei Gericht. Sie sind für den Posteingang, die Zustellung von Klageschriften, dem Verfassen von Stellungnahmen nach Diktat und die Fristenüberwachung sowie Aktenpflege zuständig. Des Weiteren erstellen sie Rechnungen über Gerichtskosten. Da Gerichte typischerweise mehrere Dezernate unterhalten, durchlaufen Rechtspfleger alle Abteilungen und können sich später auf ein Fachgebiet festlegen.
  • Justizfachangestellte: Auch bei diesem Beruf steht die Überwachung und das Führen von Akten im Vordergrund. Zudem werden Zahlungseingänge überwacht sowie Protokolle erstellt. Justizfachangestellte stehen im Kontakt mit Bürgern und geben Auskünfte über bestimmte rechtliche Themen.
  • Beamter im mittleren Justizvollzugsdienst: Der Beruf wird in der Justizvollzugsanstalt ausgeübt und beinhaltet den direkten Kontakt mit Häftlingen. Zu den administrativen Tätigkeiten gehören die Überwachung der Gefangenenakten, die Aufnahme sowie die Entlassung von Gefangenen sowie die Resozialisierung.
  • Beamter im mittleren Justizdienst: Der Beruf fällt in den administrativen Verwaltungsbereich. Wieder stehen das Führen der einzelnen Akten und die Fristenkontrolle im Vordergrund. Gleichzeitig müssen Beamte die Erklärungen von an Prozessen beteiligten Personen aufnehmen sowie gerichtliche Entscheidungen beglaubigen. Ein weiteres Berufsfeld ist die Kostenberechnung von Aufwandsentschädigungen.
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Die Jobchancen - welche Möglichkeiten bieten die Berufe?

Grundsätzlich stehen die Chancen gut, im Rechtswesen einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Die Ausbildung ist jedoch anspruchsvoll, wodurch sich mitunter eine hohe Durchfallquote ergibt. Nach der Ausbildung gibt es in vielen Bereichen die Möglichkeit, eine Fortbildung, beispielsweise zum Rechtsfachwirt, zu absolvieren. Diese erhöht das monatliche Gehalt signifikant.

Problematisch ist, dass die rechtlichen Berufe, die keine Beamtenlaufbahn beinhalten, keinem Tarif unterliegen. Bei Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten gibt es bereits während der Ausbildung einzig eine Empfehlung der jeweiligen Kammern, die die Ausbildungsvergütung festlegen. Im Bereich der Rechtsanwaltskammer Hamm, die für NRW zuständig ist, wird eine monatliche Ausbildungsvergütung von mindestens 440,00 Euro im ersten und 520,00 Euro im dritten Lehrjahr festgesetzt. Da auch ausgelernte Kräfte keinem Tarifvertrag unterliegen, sind die Gehälter im Durchschnitt relativ niedrig. Als Einstiegsgehalt für NRW gilt beispielsweise ein Wert von 1.800,00 Euro als normal, wobei das Gehalt je nach Stadt deutlich nach unten abweichen und unterhalb der 1.300,00 Euro liegen kann. In den südlichen Bundesländern steigt das Bruttogehalt durch die allgemein höheren Lebenskosten wieder an.

Wenn auch die finanziellen Gegebenheiten in vielen Rechtsberufen suboptimal sind, so bieten die Ausbildungen nach Angaben auf StepStone.de eine hervorragende Grundlage, um in die Wirtschaft zu wechseln. Als Rechtsanwaltsfachangestellter sind Wechsel zu Unternehmen, Banken, Versicherungen oder auch Inkassounternehmen möglich. Da die Ausbildung speziell das Mahnverfahren und die Zwangsvollstreckung, sowie die unterschiedlichen Vertragsarten intensiv bearbeitet, können ausgelernte Kräfte vielseitige Aufgaben in der freien Wirtschaft übernehmen.

Innerhalb einer Kanzlei, dem Gericht oder der Justiz hingegen sind die Aufstiegschancen beschränkt und konzentrieren sich oftmals darauf, eine höhere Gehaltsstufe zu erwerben, als Ausbilder tätig zu sein, jedoch die grundlegenden Arbeiten des Ausbildungsberufs weiterhin auszuüben.

Welche Schulabschlüsse sind notwendig?

Allgemein können die Ausbildungen im Bereich des Rechtswesens mit einem guten Realschulabschluss und Abitur begonnen werden. Wichtig ist ein sehr gutes Textverständnis, da Gesetzestexte und Schriftsätze von Gerichten gelesen, verstanden und dem Mandanten erklärt werden müssen. Darüber hinaus muss die deutsche Sprache in Wort und Schrift perfekt beherrscht werden. Ein Verständnis von Zahlen, Zusammenhängen und die Zuverlässigkeit sind ebenso wichtig. Die Fristenkontrolle unterliegt während der Ausbildung oft Azubis allein. Je nach Arbeitsort und Größe der Kanzlei ist Englisch zudem eine Grundvoraussetzung.

GeldDie Gehälter sind gerade bei Rechtsanwaltsgehilfen recht unterschiedlich.Quelle: DAWR - Deutsches Anwaltsregister

Fazit

Grundsätzlich sind die Jobs im Rechtswesen interessant, doch von einer Prise Idealismus geprägt. Die Aufgabengebiete sind durch die Vielzahl der zu bearbeitenden Fälle abwechslungsreich, wiederholen sich im gewissen Umfang aber täglich. Ein Nachteil stellt das, im Vergleich zu anderen Berufen, geringe Gehalt bei einer hohen Arbeitsbelastung dar. Da Fristen eingehalten werden müssen, gerade Rechtsanwälte aber oft bis in den späten Nachmittag bei Terminen sind, verschiebt sich der Arbeitsschluss gerne nach hinten und Wochenarbeitszeiten von über 40 Stunden sind gang und gäbe. Auf der Vorteilsseite hingegen stehen die beruflichen Chancen in anderen Bereichen. Durch den Wechsel in die freie Wirtschaft können Angestellte deutliche Gehaltssteigerungen erhalten, ohne den Ausbildungsberuf vollständig aufgeben zu müssen.

Bearbeitungsstand: 10.11.2015

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Kommentare (3)

 
 
Sandmann schrieb am 12.11.2015

Die Beamten des mittleren Justizdienstes umfasst auch die

Sonderlaufbahn der Gerichtsvollzieher, die sich nochmals einer

gesonderten Ausbildung unterziehen müssen.

Sylvia Majocchi schrieb am 12.11.2015

Eine erschöpfende und nicht auf ein bestimmtes deutsches Bundesland abstellende Auskunft zum Beruf des Rechtspflegers kann man hier einsehen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtspfleger

Heinz-Georg Overhoff schrieb am 11.11.2015

Nachstehend reale Ausführungen zum Beruf des Rechtspflegers/in.

Dipl.Rpfl.(FH) Heinz-Georg Overhoff

Dipl.-Rechtspfleger/-innen sind Beamte/Beamtinnen der Laufbahngruppe 2, 1. Einstiegsamt der Fachrichtung Justiz.

Sie sind vornehmlich bei den Gerichten der ordentlichen Gerichtsbarkeit und den Staatsanwaltschaften tätig.

Den Dipl.-Rechtspfleger/-innen sind im Laufe der Zeit viele vormals richterliche Aufgaben übertragen worden. Sie sind ein selbständiges Organ der Rechtspflege.

In den ihnen nach dem Rechtspflegergesetz übertragenen Aufgaben sind sie bei ihren Entscheidungen nur an Recht und Gesetz gebunden und grundsätzlich sachlich unabhängig. Sie erledigen die ihnen übertragenen Aufgaben frei von Weisungen Dienstvorgesetzter.

Aufgaben

Die Tätigkeit der Dipl.-Rechtspfleger/-innen erstreckt sich auf zahlreiche Rechtsbereiche der streitigen Gerichtsbarkeit und insbesondere der freiwilligen Gerichtsbarkeit.

In der streitigen Gerichtsbarkeit sind die Dipl.-Rechtpfleger/-innen z.B. im Mahnverfahren tätig. Sie erlassen den Mahnbescheid sowie den Vollstreckungsbescheid.

Nach Abschluss eines Prozesses sind sie zuständig für die Festsetzung der Kosten, die der obsiegenden Partei gegen die unterlegene Partei zustehen.

Die Dipl.-Rechtspfleger/-innen sind in der Zwangsvollstreckung zuständig für den Erlass von Beschlüssen auf Pfändung von Geldforderungen (z.B. Lohnpfändungen), für die Entscheidung über eine vorläufige Einstellung der Zwangsvollstreckung und für die Zwangsvollstreckung von Grundstücken und Wohnungseigentum. Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens führen sie das Verfahren selbständig durch.

In der freiwilligen Gerichtsbarkeit sind sie tätig in:

Grundbuchsachen. Sie entscheiden u.a. über Anträge auf Eintragungen von Belastungen des Grundstücks (z.B. Grundschulden) sowie über die Eintragung beim Erwerb von Grundstückseigentum,

Registersachen. Sie entscheiden über Anträge auf Eintragung einer Firma, Wechsel des Geschäftsführers/Prokuristen sowie über Eintragungen im Partnerschafts-, Vereins- und Güterrechtsregisters und Genossenschaftsregisters,

Vormundschaftssachen. Sie sind zuständig für die Festsetzung von Kindesunterhalt im vereinfachten Verfahren. Sie verpflichten den Vormund und den Betreuer und überwachen deren Geschäftsführung und Vermögensverwaltung,

Nachlasssachen. Sie erteilen Erbscheine nach gesetzlicher Erbfolge, eröffnen Testamente und Erbverträge und nehmen Erklärungen entgegen (z.B. Ausschlagung der Erbschaft).

Bei der Staatsanwaltschaft obliegen den Dipl.-Rechtspflegerinnen und Dipl.-Rechtspflegern überwiegend Aufgaben der Strafvollstreckung.

Sie sind darüber hinaus auch in der Verwaltung und Organisation der Gerichte und Staatsanwaltschaften tätig.

Ausbildung

Die Ausbildung beginnt am 1.10. eines jeden Jahres.

Zur Rechtspflegerausbildung kann zugelassen werden, wer

die Hochschulreife oder die Fachhochschulreife oder eine Hochschulzugangsberechtigung nach § 18 des Niedersächsischen Hochschulgesetzes (NHG) oder einen als gleichwertig anerkannten Bildungsstand besitzt und

das 40. Lebensjahr, im Fall der Schwerbehinderung das 45. Lebensjahr, noch nicht vollendet hat.

Die Altersgrenze gilt nicht für Inhaber eines Eingliederungs- oder Zulassungsscheins und für Bewerber, die die Voraussetzung des § 7 Abs. 2 des Soldatenversorgungsgesetzes erfüllen.

Bei Bewerberinnen und Bewerbern, die wegen der Betreung mindestens eines mit ihnen in häuslicher Gemeinschaft lebenden Kindes unter 18 Jahren von einer Bewerbung um Einstellung vor Vollendung des 40. Lebensjahres abgesehen haben, erhöht sich das Höchstalter je Kind um 3 Jahre bis zu einem Höchstalter von 46 Jahren.

Die Rechtspflegerausbildung besteht aus einem 3-jährigen Fachhochschulstudium. Das Studium umfasst Fachstudien von 24 Monaten, die an der Norddeutschen Hochschule für Rechtspflege in Hildesheim absolviert werden, und berufspraktische Studienzeiten von 12 Monaten Dauer, die bei Amtsgerichten und Staatsanwaltschaften durchgeführt werden.

Das Studium gliedert sich im Einzelnen wie folgt:

Grundstudium: 10 Monate

berufspraktische Studienzeit I: 3 Monate

Hauptstudium I: 8 Monate

berufspraktische Studienzeit II: 9 Monate

Hauptstudium II: 6 Monate.

Die Fachhochschule verleiht den Absolventinnen und den Absolventen der Rechtspflegerprüfung den Diplomgrad "Diplom-Rechtspflegerin (FH)" bzw. "Diplom-Rechtspfleger (FH)".

Laufbahn und Besoldung

Während der Ausbildung sind die Anwärter/innen Beamte/Beamtinnen auf Widerruf. Sie erhalten in dieser Zeit Anwärterbezüge.

Nach bestandener Rechtspflegerprüfung können die Beamtinnen und Beamten in das Beamtenverhältnis auf Probe übernommen werden. Sie führen dann die Dienstbezeichnung "Justizinspektorin/ Justizinspektor."

Ein Rechtsanspruch auf Übernahme besteht nicht.

Nach einer Probezeit von grundsätzlich drei Jahren erfolgt die Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit.

Beförderungsämter sind Justizoberinspektor/-in, Justizamtfrau/Justizamtmann, Justizamtsrätin/Justizamtsrat und Justizoberamtsrätin/Justizoberamtsrat.

Die Höhe der Besoldung ist im Bundesbesoldungsgesetz festgelegt (Besoldungsstufen A9 bis A13 mit Zulage).

Bewerbung

Ihre Bewerbung richten Sie bitte bis zum 30.11. eines jeden Jahres an die Oberlandesgerichte in Braunschweig, Celle und Oldenburg, bzw. das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg, das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen in Celle oder das Landesarbeitsgericht Niedersachsen in Hannover. Einstellungstermin ist der 1. Oktober eines jeden Jahres.

Wer einen Eingliederungs- bzw. Zulassungsschein in Anspruch nehmen kann, wendet sich bitte zunächst an die Vormerkstelle des Landes Niedersachsen beim Niedersächsischen Ministerium für Sport und Inneres, Referat 53, Postfach 221, 30002 Hannover.

 
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