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Schadensersatzrecht und Verkehrsrecht | 08.04.2014

Wer auffährt, hat Schuld: Haftet wirklich immer der auffahrende Autofahrer für einen Auffahrunfall?

Auf Deutschlands Straßen kommt es jeden Tag zu Unfällen. Viele davon sind sogenannte Auffahrunfälle. Dabei fährt ein von hinten kommender Autofahrer einem vorausfahrenden Autofahrer hinten auf. Bei dieser Art von Unfällen ist der vermeintlich Schuldige schnell ausgemacht, nämlich der Auffahrende. Doch ist dieser tatsächlich immer Schuld an dem Auffahrunfall?

Haftet der auffahrende Autofahrer immer für einen Auffahrunfall?

Grundsätzlich ist der auffahrende Autofahrer nicht stets für den Auffahrunfall verantwortlich. Vielmehr hängt dies von den Umständen des jeweiligen Einzelfalls ab. Jedoch spricht die Lebenserfahrung und somit ein Anscheinsbeweis für ein Verschulden des Auffahrenden. Es kann nämlich angenommen werden, dass der auffahrende Autofahrer den Sicherheitsabstand nicht einhielt oder zu schnell bzw. unaufmerksam fuhr (vgl. Kammergericht Berlin, Hinweisbeschluss vom 20.11.2013, Az. 22 U 72/13 und Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 31.01.1972, Az. 13 U 140/71).

Dieser Anscheinsbeweis gilt jedoch nicht immer. Wird etwa der Auffahrende selbst von hinten angefahren, so dass sich sein Fahrzeug auf das vorausfahrende Fahrzeug aufschiebt, trifft ihn kein Verschulden an dem Unfall (Oberlandesgericht Celle, Urteil vom 28.03.2012, Az. 14 U 156/11). Ebenso verhält es sich, wenn der Vorausfahrende kurz vor dem Auffahrunfall die Spur wechselte. In diesem Fall spricht ein Anscheinsbeweis dafür, dass der Auffahrunfall aufgrund eines sorgfaltswidrigen Fahrspurwechsels passierte (Amtsgericht München, Urteil vom 01.10.2013, Az. 331 C 28375/12).

In anderen Fällen greift zwar der Anscheinsbeweis, es kommt aber ein Mitverschulden des vorausfahrenden Autofahrers in Betracht. Den Auffahrenden trifft zum Beispiel dann nicht die alleinige Schuld für einen Auffahrunfall, wenn der vorausfahrende Autofahrer sorgfaltswidrig nach links abbiegen wollte und daher eine unklare und somit gefährliche Verkehrslage geschaffen hatte (Oberlandesgericht Köln, Urteil vom 01.10.1999, Az. 19 U 34/99). Der Vorausfahrende kann auch dann eine Mit- oder sogar Vollschuld an einem Auffahrunfall haben, wenn er sein Fahrzeug plötzlich und unerlaubt abbremst (vgl. Oberlandesgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 02.03.2006, Az. 3 U 220/05). In welchen Fällen ein Autofahrer sein Fahrzeug unerwartet abbremsen darf, siehe folgende Rechtsfrage: Abbremsen für Tiere: Darf man als Autofahrer für Katze, Fuchs, Hase, Taube oder Wildente auf der Straße bremsen?.

Bearbeitungsstand: 08.04.2014

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