Werbung
Werbung

Ist Ihr Problem komplizierter als unsere Frage?

Holen Sie sich Hilfe!

Bei speziellen, individuellen Rechts­fragen sollten Sie immer den Rat einer Rechts­anwältin oder eines Rechts­anwalts einholen.

Rechtsanwälte aus ganz Deutschland finden Sie im Deutschen Anwaltsregister.

Glücksspielrecht und Steuerrecht | 29.07.2016

Glücksspiel

Wann müssen Glücksspielgewinne versteuert werden?

Wer beim Glücksspiel gewinnt, freut sich zunächst – vor allem wenn es eine größere Summe ist. Spätestens bei der nächsten Steuererklärung stellt sich jedoch die Frage: Was muss davon versteuert werden?

Glücksspielerträge müssen nur dann auf die Steuererklärung, wenn es sich dabei um Haupteinkommensquelle handelt oder daraus Kapitalerträge hervorgehen. Es gibt jedoch verschiedene Sonderregelungen zu beachten.Quelle: fotolia.de ©blende11.photo (#69389050)

Werbung
Was zählt als Glücksspiel?

Eine Definition von Glücksspiel wird im StGB nicht geliefert, dafür aber im Staatsvertrag zum Glückspielwesen in Deutschland. In den Begriffsbestimmungen in § 3 heißt es:

(1) Ein Glücksspiel liegt vor, wenn im Rahmen eines Spiels für den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt. Die Entscheidung über den Gewinn hängt in jedem Fall vom Zufall ab, wenn dafür der ungewisse Eintritt oder Ausgang zukünftiger Ereignisse maßgeblich ist. Auch Wetten gegen Entgelt auf den Eintritt oder Ausgang eines zukünftigen Ereignisses sind Glücksspiele.

Glücksspiel liegt also immer dann vor, wenn der Zufall bei der Spielentscheidung überwiegt. Der letzte Satz schließt auch Sportwetten mit ein. Zwar gab es in der Vergangenheit Anfechtungen dieses Paragrafen, zum Erfolg haben diese jedoch nicht geführt. So heißt es beispielsweise in einem Urteil des BGH über das illegale Anbieten von Oddset-Wetten:

(...) kann es demnach nicht maßgeblich sein, ob (...) einzelne Mitspieler über derartige Fähigkeiten verfügen, dass sie bestimmte Sportergebnisse mit einer überwiegenden Richtigkeitsgewähr vorhersagen können, sofern sich an dem Spiel auch Spieler beteiligen können und in einem nicht völlig untergeordneten Maße auch tun, die diese Fähigkeiten nicht besitzen. Gerade der eher „unbedarfte“ Spieler bedarf des Schutzes vor den Gefahren des Glücksspiels.

Sobald also ein „Spiel“ einem Personenkreis zugänglich gemacht wird, von dem zumindest ein Teil reines Zufallsglück an den Tag legen müsste, um zu gewinnen, gilt es als Glücksspiel. Unabhängig davon, ob versierte Spieler die Spielentscheidung mit ihrem Können beeinflussen könnten. Das gilt entsprechend auch für Poker.

Werbung
Wann muss der Gewinn versteuert werden?

Gewinne aus Glücksspielen sind nicht steuerfrei. Jedoch sind sie auch nicht steuerpflichtig: Hier bewegt sich der Spieler entsprechend in einer rechtlichen Grauzone. Da es sich bei Spielgewinnen nicht um ein reguläres Einkommen handelt, müssen sie bei der Steuererklärung auch nicht angegeben werden. Ausnahmen bilden jedoch professionelle Glücksspieler, wie beispielsweise Berufspoker-Spieler, da sie tatsächlich von dem eingenommenen Geld leben und es streng genommen als ihr Gehalt gilt.

Auch Lotto liegt in staatlicher Hand, die Gewinne sind jedoch steuerfrei. Hartz IV Empfänger hingegen müssen Gewinne beim Jobcenter melden, da das erworbene Geld auf das Einkommen angerechnet wird.Quelle: pixabay.com ©Hermann (CC0 1.0)

Sind Gewinne aus eigener Leistung erbracht worden, wie beispielsweise durch die Teilnahme bei „Wer wird Millionär?“, sind diese ebenfalls zu versteuern. An dieser Stelle setzt auch der Zwiespalt über Poker als Glücksspiel an: Zum einen können Spieler durch ihr Können das Spielergebnis beeinflussen, zum anderen müssten die Gewinne grundsätzlich versteuert werden, wenn es sich nicht um Glücksspiel handelte. Gewinne aus Lotterien sind steuerfrei – Hartz IV Empfänger müssen den Gewinn jedoch beim Jobcenter melden, da dieser auf das Einkommen angerechnet wird.

Während die Spieler also weitestgehend befreit von Abgaben sind, sind Betreiber umso mehr in der Pflicht. Neben der Konzessionsabgabe müssen sie auch noch Teile des Gewinns abgeben, die dem Land zugutekommen und von dort aus gerne an den sozialen Sektor weitergeleitet werden. Wie im Staatsvertrag festgelegt, steht das Glücksspiel also vor allem deshalb unter staatlicher Hand, um der Bevölkerung Gutes zu tun. Auch wenn die Suchtprävention im Vordergrund steht, ist der Aspekt der Umverteilung auf der Länderebene dem gleichen Gedanken zuzuordnen.

Unter welchen Umständen ist Glücksspiel legal?

Da Glücksspiel der strengen staatlichen Kontrolle unterliegt, sind die Grenzen der Legalität eng gesteckt. So müssen die Anbieter von Glücksspiel grundsätzlich registriert sein und eine Lizenz innehaben. Das Strafgesetzbuch schreibt dazu:

§ 284 Unerlaubte Veranstaltung eines Glücksspiels

(1) Wer ohne behördliche Erlaubnis öffentlich ein Glücksspiel veranstaltet oder hält oder die Einrichtungen hierzu bereitstellt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Als öffentlich veranstaltet gelten auch Glücksspiele in Vereinen oder geschlossenen Gesellschaften, in denen Glücksspiele gewohnheitsmäßig veranstaltet werden.

(3) Wer in den Fällen des Absatzes 1

1. gewerbsmäßig oder

2. als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher Taten verbunden hat, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

(4) Wer für ein öffentliches Glücksspiel (Absätze 1 und 2) wirbt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Das heißt, dass sowohl regelmäßige private Pokerturniere untersagt sind, als auch das Spielen im Hinterzimmer der Kneipe. Was viele nicht wissen, ist dass Online-Casinos in Deutschland offiziell untersagt sind. Da praktisch jedoch nicht flächendeckend dagegen vorgegangen werden kann, ist die Teilnahme an Online-Spielen eine Grauzone. Klare Legalität herrscht dort in jedem Fall nicht. Die Betreiber von Online-Casinos hingegen werden klar nach dem oben genannten Paragrafen verfolgt, sitzen jedoch oftmals im Ausland, weswegen eine Strafverfolgung in dem Fall nicht möglich ist, da der deutsche Staat keine Internetseiten sperrt und sie von hier aus frei zugänglich sind. Da Spieler sich hier in einer Grauzone bewegen, können entsprechend auch keine Steuern für das so „erwirtschaftete“ Geld erhoben werden.

Fazit

Glücksspielgewinne müssen versteuert werden, wenn:

  • Der Spieler daraus sein Einkommen bezieht
  • Sie aus eigener Leistung (bspw. durch Teilnahme an einem Quiz) erwirtschaftet werden
  • Sie gewinnbringend angelegt werden: Dann muss der Kapitalertrag (die Zinsen) versteuert werden.

Ansonsten sind die Gewinne als steuerfrei anzusehen, da es keine gegenteilige Regelung gibt. Es empfiehlt sich dennoch, Grauzonen zu meiden und im legalen Feld des Glücksspiels zu verharren – nur dann können Spieler eine strafrechtliche Verfolgung ausschließen.

Anwalt für Glücksspielrecht

Bei rechtlichen Fragen und Problemen im Glücksspielrecht, wenden Sie sich am besten an einen Rechtsanwalt für Glücksspielrecht, den Sie z.B. im Deutschen Anwaltsregister (DAWR) finden.

Quelle: refrago

Bearbeitungsstand: 29.07.2016

BewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertung: 4.9 (max. 5)  -  8 Abstimmungsergebnisse Bitte bewerten Sie diesen Artikel.0
 
Werbung

Kommentare (1)

 
 
holy schrieb am 21.12.2018

Sie aus eigener Leistung (bspw. durch Teilnahme an einem Quiz) erwirtschaftet werden

auch an einer verlosung, traurig traurig traurig

 
Sie brauchen Hilfe vom Profi?

Finden Sie eine Anwältin oder Anwalt aus Ihrer Region in Deutschlands großer Anwaltssuche.

 

refrago ist ein Service der ra-online GmbH, der sich zum Ziel gesetzt hat, leicht verständliche Erklärungen für Rechtsfragen von allgemeinem Interesse zu finden.

Alle Ausführungen auf refrago erfolgen ohne Gewähr und ersetzen keine Rechtsberatung. refrago empfiehlt bei individuellen Rechtsfragen, einen Anwalt zu konsultieren, den Sie z.B. unter www.anwaltsregister.de finden können.