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Mietrecht | 16.01.2018

Dübell­öcher

Dübell­öcher und Bohrlöcher: Dürfen Mieter Wandfliesen im Badezimmer durchbohren?

Ins Badezimmer gehören durchaus Wand­schränke, Spiegel, Hand­tuch­halter und sonstige zu einem Bad gehörende Gegenstände. Doch oft ist das Bad teilweise oder sogar vollständig verfliest. Wo darf der Mieter dann notwendige Dübell­öcher anlegen, um die Gegenstände anzubringen? Darf er die Wandfliesen durchbohren oder muss er in der Fliesenfuge bohren? Sofern Fliese angebohrt werden dürfen, wie viele Bohrlöcher sind dann erlaubt? Gibt es eine „Bohrloch-Obergrenze“?

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Darf ein Mieter Wandfliesen durchbohren?

Das Durchbohren von Wandfliesen im Bad wird teilweise von den Gerichten gestattet, wenn Gegenstände angebracht werden sollen, die üblicherweise auch im Bad gebraucht werden und es somit erst bestimmungsgemäß gebraucht werden kann. In diesem Fall gehören Bohrlöcher zum vertragsgemäßen Gebrauch (vgl. Amtsgericht Dortmund, Urteil vom 19.04.1977, Az. 110 C 883/75; so auch: Amtsgericht Dortmund, Urteil vom 26.08.2014, Az. 425 C 2787/14). Jedoch sind alle Löcher, die nicht für die üblichen Installationen benötigt werden, unzulässig (vgl. Landgericht Göttingen, Urteil vom 12.10.1988, Az. 5 S 106/88). Das gleiche gilt im Übrigen für durchbohrte Wandfliesen in der Küche. Soweit sie zum Anbringen von Einrichtungen, die zum gewöhnlichen Miet­gebrauch gehören, bestimmt sind, sind sie zulässig (Amtsgericht Rheinbach, Urteil vom 07.04.2005, Az. 3 C 199/04).

Doch nicht alle Gerichte entscheiden so. So hat das Amtsgericht Köpenick in seinem Urteil vom 05.10.2012 (Az. 4 C 64/12) entschieden, dass das Durchbohren von Wandfliesen eine schuldhafte Verletzung miet­vertrag­licher Pflichten darstelle und somit generell unzulässig sei. Es vertrat die Ansicht, dass der Mieter die Mietsache zu schonen habe und deswegen nur die Fliesen­fugen anbohren dürfe.

Wie viele Dübellöcher sind erlaubt?

Soweit von den Gerichten das Durchbohren der Fliesen erlaubt wird, ist es darüber hinausgehend eine Frage des Einzelfalls wie viele Bohrlöcher zulässig sind. So entschied das Amtsgericht Kassel, dass 14 Bohrlöcher im ver­kehrs­üblichen Maß liegen (Amtsgericht Kassel, Urteil vom 15.03.1996, Az. 451 C 7217/95). Dagegen seien nach Auffassung des Land­gerichts Hamburgs 32 Bohrlöcher sehr viel. Im Einzelfall sei dies aber zulässig, da die Frage nach der Anzahl der Löcher nicht schematisch beantwortet werden könne (Landgericht Hamburg, Urteil vom 17.05.2001, Az. 307 S 50/01).

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Muss der Mieter eine durchbohrte Wandfliese ersetzen oder die Bohrlöcher verschließen?

In einigen Miet­verträgen wird eine Klausel aufgenommen, wonach der Mieter verpflichtet ist, durchbohrte Wandfliesen durch gleich­artige Fliesen zu ersetzen. Eine solche Klausel ist nach Ansicht des Land­gerichts Frankfurt a.M. wohl unwirksam, da zum einen Dübell­öcher im Bad zum vertragsgemäßen Gebrauch zählen und zum anderen ein Austausch der durch­bohrten Fliese mit einer Gleichartigen nahezu unmöglich sein werde. Auch sei ein Verschließen der Bohrlöcher in un­kenntlicher Weise nicht möglich (Landgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 27.02.1990, Az. 2/13 O 474/89).

Besteht eine Schadenersatzpflicht des Mieters?

Zu beachten ist aber, dass eine Pflicht zum Schaden­ersatz bestehen kann, wenn ein Gericht das Durchbohren der Fliesen als eine Pflicht­verletzung ansieht (vgl. Amtsgericht Köpenick, Urteil vom 05.10.2012, Az. 4 C 64/12). Urteilt ein Gericht jedoch, dass sich die Dübell­öcher im üblichen Rahmen bewegten, ist eine Schaden­ersatz­pflicht des Mieters zu verneinen (vgl. Landgericht Darmstadt, Urteil vom 24.10.1986, Az. 17 S 11/86).

Quelle: refrago/rb

Bearbeitungsstand: 16.01.2018

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Kommentare (1)

 
 
Uli schrieb am 02.02.2015

Amtsgericht Köpenick in seinem Urteil vom 05.10.2012 (Az. 4 C 64/12)

Da gab es doch schon einmal eine seltsame Begebenheit in Köpenik. Auch da wurde das Gesetz "Ohne Sinn und Verstand" solange angewendet, bis sich jemand eines Älteren Gesetzes "bemächtigte" um den Staat vorzuführen.

Stichwort: "Hauptmann von Köpenick"

 
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