Werbung
Werbung

Ist Ihr Problem komplizierter als unsere Frage?

Holen Sie sich Hilfe!

Bei speziellen, individuellen Rechts­fragen sollten Sie immer den Rat einer Rechts­anwältin oder eines Rechts­anwalts einholen.

Rechtsanwälte aus ganz Deutschland finden Sie im Deutschen Anwaltsregister.

Mietrecht und Wohnungseigentumsrecht | 12.10.2018

Ruhe­störung

Wann und wie lange darf man täglich zu Hause als Mieter oder Wohnungs­eigentümer Klavier spielen?

Wer berufstätig oder aus privatem Vergnügen gern Klavier spielt, sollte regelmäßig üben. Für berufstätige Klavier­spieler wird etwa empfohlen vier bis fünf Stunden am Tag zu üben. Wer diese Übungszeit zu Hause in Anspruch nimmt, kann aber Probleme mit den Nachbarn bekommen. Nicht jeder ist nämlich darüber erfreut vier bis fünf Stunden am Tag dem Klavier­spiel eines anderen not­gedrungen zuhören zu müssen. Nicht selten regeln Haus­ordnungen daher ein­zuhaltende Ruhezeiten. Aber sind diese auch immer wirksam? Wann und wie lange darf denn ein Mieter oder Wohnungs­eigentümer zu Hause Klavier spielen?

Werbung
Wann und wie lange darf man täglich zu Hause als Mieter Klavier spielen?

Zunächst einmal darf einem Mieter das Klavier spielen nicht generell untersagt werden. Denn das Musizieren mit dem Klavier gehört zum normalen Miet­gebrauch. Der Mieter muss sich daher etwa nicht auf andere Räumlichkeiten verweisen lassen (vgl. Landgericht Frankfurt am Main, Beschluss vom 03.06.2005, Az. 2/11 T 36/05). Jedoch sind die Spielzeiten auf Rücksicht zu den anderen Mietern ein­zuschränken.

Nach Ansicht des Land­gerichts Frankfurt/Oder dürfen Mieter werktags nur insgesamt drei Stunden am Klavier spielen. An Wochenenden und Feiertagen seien aber fünf Stunden erlaubt. Zudem müsse der musi­zierende Mieter bestimmte Ruhezeiten einhalten. So dürfe nicht in der Zeit von 22 Uhr bis 7 Uhr sowie in der Mittagszeit von 13 Uhr bis 15 Uhr gespielt werden (Landgericht Frankfurt (Oder), Urteil vom 12.10.1989, Az. 2/25 O 359/89). Andere Gerichte beschränken die zulässige Spielzeit sogar auf nur zwei Stunden (vgl. Amtsgericht Düsseldorf, Urteil vom 11.07.1988, Az. 20 C 79/87) oder 90 Minuten pro Tag (vgl. Amtsgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 22.05.1996, Az. 33 C 1437/96-28).

Der erlaubte Zeitraum für das Klavier­spiel hängt im Ergebnis maßgeblich von den Umständen des Einzelfalls ab. So kann zum Beispiel eine Rolle spielen, wie hellhörig das Wohnhaus ist. Wer allerdings in Zimmerlaut­stärke Klavier­spielen kann, kann zu jeder Tages- und Nachtzeit musizieren. Denn in diesem Fall werden die Nachbarn nicht gestört.

Wann und wie lange darf man täglich zu Hause als Wohnungseigentümer Klavier spielen?

Auch die Eigentümer einer Wohnung dürfen grund­sätzlich Klavier­spielen. Es gehört zur freien Entfaltung der Persönlichkeit, dass Wohnungseigentümer in ihrer Wohnung musizieren. Ein Musizier­verbot ist daher unzulässig. Dies gilt auch dann, wenn die Wohnungs­eigentümer­gemeinschaft einen entsprechenden Mehrheits­beschluss trifft. Von einem generellen Verbot des Klavier­spielens kann zum Beispiel auch dann ausgegangen werden, wenn das Musizieren an Sonn- und Feiertagen vollständig untersagt wird und sonst nur in der Zeit von 10.15 Uhr bis 11 Uhr zulässig ist (Oberlandesgericht Hamm, Beschluss vom 10.11.1980, Az. 15 W 122/80). Zudem ist dann von einem vollständigen Musizier­verbot auszugehen, wenn das Musizieren nur in Zimmer­laustärke erlaubt ist (Bayerisches Oberstes Landesgericht, Beschluss vom 23.08.2001, Az. 2 Z BR 96/01). Denn in dieser Lautstärke ist ein sinnvolles Klavier­spielen nicht möglich.

Darüber hinaus ist es aber zulässig die Musizier­zeit zeitlich ein­zuschränken, um den nachbarlichen Frieden zu wahren (vgl. Bundesgerichtshof, Beschluss vom 10.09.1998, Az. V ZB 11/98). Nach Einschätzung das Ober­landes­gerichts Frankfurt a.M. sei eine Ein­schränkung auf 1 ½ Stunden pro Tag zulässig (Oberlandesgericht Frankfurt am Main, Beschluss vom 22.08.1984, Az. 20 W 148/84). Leben mehrere klavier­spielende Personen in der Eigentums­wohnung, so müssen sich diese Personen die Musizier­zeit teilen (Oberlandesgericht Frankfurt am Main, Beschluss vom 29.08.1984, Az. 20 W 190/84). Nach Auffassung des Bayerischen Obersten Landes­gericht dürfe ein Wohnungs­eigentümer sogar drei Stunden am Tag Klavier spielen. Darüber hinaus sei es zulässig eine Ruhezeit etwa von 12/13 Uhr bis 15 Uhr zu regeln. Dagegen dürfe in der Zeit von 20 Uhr bis 10 Uhr das Klavier spielen nicht untersagt werden (Bayerisches Oberstes Landesgericht, Beschluss vom 28.03.1985, Az. BReg 2 Z 8/85).

Werbung
Quelle: refrago/rb

Bearbeitungsstand: 12.10.2018

BewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertung: 4.4 (max. 5)  -  10 Abstimmungsergebnisse Bitte bewerten Sie diesen Artikel.0
 
Werbung

Kommentare (3)

 
 
Dr. Klaus Miehling schrieb am 15.10.2018

"Dagegen dürfe in der Zeit von 20 Uhr bis 10 Uhr das Klavier spielen nicht untersagt werden."

???

Marlene antwortete am 16.10.2018

Dagegen dürfe in der Zeit von 20 Uhr bis 22 Uhr das Klavier spielen nicht untersagt werden.

heinz-horn antwortete am 04.11.2018

Sehr interessant, aber was beutet das für den Schadenersatz gegen den Vermieter, oder gegen andere Mieter des Hauses, die sich über das ewige Klavierspiel beschweren. Wie hoch können sie vom Pianisten angesetzt werden ?

 
Sie brauchen Hilfe vom Profi?

Finden Sie eine Anwältin oder Anwalt aus Ihrer Region in Deutschlands großer Anwaltssuche.

 

refrago ist ein Service der ra-online GmbH, der sich zum Ziel gesetzt hat, leicht verständliche Erklärungen für Rechtsfragen von allgemeinem Interesse zu finden.

Alle Ausführungen auf refrago erfolgen ohne Gewähr und ersetzen keine Rechtsberatung. refrago empfiehlt bei individuellen Rechtsfragen, einen Anwalt zu konsultieren, den Sie z.B. unter www.anwaltsregister.de finden können.