Werbung
Werbung

Ist Ihr Problem komplizierter als unsere Frage?

Holen Sie sich Hilfe!

Bei speziellen, individuellen Rechts­fragen sollten Sie immer den Rat einer Rechts­anwältin oder eines Rechts­anwalts einholen.

Rechtsanwälte aus ganz Deutschland finden Sie im Deutschen Anwaltsregister.

Strafrecht | 03.03.2015

Homosexualität

Seit wann ist Homosexualität in Deutschland nicht mehr strafbar?

Trotz immer größerer Toleranz und Akzeptanz in der Gesellschaft, ist das Thema Homosexualität noch immer aktuell. Dies hat das Outing des ehemaligen deutschen Nationalspielers Thomas Hitzlsperger wieder einmal gezeigt. Es gibt trotz vieler Solidaritätsbekundungen seitens von Politikern und Sportlern nach wie vor Bereiche unserer Gesellschaft, in denen es Vorbehalte gegen homosexuelle Menschen gibt. Gleichwohl ist anzuerkennen, dass die Gleichstellung Homosexueller heutzutage weitaus fortgeschrittener ist, als beispielsweise in den 1960er Jahren. In dieser Zeit stand etwa Homosexualität noch unter Strafe. Doch seit wann ist das nicht mehr der Fall?

Seit wann ist Homosexualität in Deutschland nicht mehr strafbar?

Bis zum 11. Juni 1994 wird allein die Vornahme von homosexuellen Handlungen unter Männern nicht mehr bestraft. Bis zu diesem Zeitpunkt stand ein solches Verhalten gemäß § 175 StGB unter Strafe. Die Vorschrift galt über die Zeit jedoch nicht unverändert. Vielmehr unterlag sie auch dem gesellschaftlichen Wandel. So galt in den 50er Jahren die Strafbarkeit noch ohne Vorbehalt, während sich ein homosexueller Mann in den 90er Jahren nur noch dann strafbar machte, wenn er selbst über 18 Jahre alt war und mit einem Mann unter 18 Jahren sexuelle Handlungen vornahm oder vornehmen ließ.

Von 1935 bis 1969 lautete der § 175 StGB:

(1) Ein Mann, der mit einem anderen Mann Unzucht treibt oder sich von ihm zur Unzucht mißbrauchen läßt, wird mit Gefängnis bestraft.

(2) Bei einem Beteiligten, der zur Zeit der Tat noch nicht einundzwanzig Jahre alt war, kann das Gericht in besonders leichten Fällen von Strafe absehen.

In der letzten Fassung, bis zum 11. Juni 1994 lautete die Vorschrift:

(1) Ein Mann über achtzehn Jahre, der sexuelle Handlungen an einem Mann unter achtzehn Jahren vornimmt oder von einem Mann unter achtzehn Jahren an sich vornehmen läßt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Das Gericht kann von einer Bestrafung nach dieser Vorschrift absehen, wenn

  • 1. der Täter zur Zeit der Tat noch nicht einundzwanzig Jahre alt war oder
  • 2. bei Berücksichtigung des Verhaltens desjenigen, gegen den sich die Tat richtet, das Unrecht der Tat gering ist.
War die Vorschrift des § 175 StGB mit dem Grundgesetz vereinbar?

Es gab während der Geltung der Strafvorschrift Versuche die Norm als verfassungswidrig zu kippen. Begründet wurde dies damit, dass im Gegensatz zur weiblichen Homosexualität nur die männliche Homosexualität unter Strafe stand. Dies sollte mit dem allgemeinen Gleichheitsgrundsatz aus Art. 3 GG nicht vereinbar sein. Das Bundesverfassungsgericht folgte dieser Ansicht jedoch nicht.

Bundesverfassungsgericht: Unterschiede zwischen zwischen männlicher und der weiblicher Homosexualität rechtfertigen Ungleichbehandlung

So führte es bereits 1957 aus, dass die Unterscheidung zwischen der männlichen und der weiblichen Homosexualität eine Ungleichbehandlung rechtfertigte. Das Verfassungsgericht sah die Gesellschaft und insbesondere die männlichen Jugendlichen durch die männliche Homosexualität stärker gefährdet als durch die weibliche Homosexualität (Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 10.05.1957, Az. 1 BvR 550/52). Diese Auffassung bestärkte es noch einmal im Jahre 1973 in einer Entscheidung (Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 02.10.1973, Az. 1 BvL 7/72). Erst der Gesetzgeber hob die Vorschrift des § 175 StGB angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen im Jahr 1994 auf.

Bearbeitungsstand: 03.03.2015

BewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertung: 4.7 (max. 5)  -  7 Abstimmungsergebnisse Bitte bewerten Sie diesen Artikel.0
 
Werbung

Kommentare (1)

 
 
Claus schrieb am 04.03.2015

Der Gesetzgeber hob den § 175 StGB nicht "angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen", sondern im Zuge der Rechtsangleichung mit der DDR auf. Dort galt der §175 bis zur Strafrechtsreform 1968.

Einvernehmliche, homosexuelle Handlungen unter Erwachsenen wurden in der DDR schon seit Ende der 1950er Jahre nicht mehr rechtlich verfolgt.

Werbung
 
Sie brauchen Hilfe vom Profi?

Finden Sie eine Anwältin oder Anwalt aus Ihrer Region in Deutschlands großer Anwaltssuche.

Eintragen im DAWR
Anzeige
 

refrago ist ein Service der ra-online GmbH, der sich zum Ziel gesetzt hat, leicht verständliche Erklärungen für Rechtsfragen von allgemeinem Interesse zu finden.

Alle Ausführungen auf refrago erfolgen ohne Gewähr und ersetzen keine Rechtsberatung. refrago empfiehlt bei individuellen Rechtsfragen, einen Anwalt zu konsultieren, den Sie z.B. unter www.anwaltsregister.de finden können.

Jetzt Fan bei Facebook werden und mit refrago.de immer auf dem Laufenden bleiben!

Ich bin schon Fan.