Scheidung25.04.2019

Zahlt die Rechts­schutz­versicherung die Scheidung?

Die Ehe wird in Deutschland in einem förmlichen Gerichts­verfahren vor dem örtlich zuständigen Familien­gericht geschieden. Für das Scheidungs­verfahren fallen gesetzlich festgelegte Gebühren an, die sich u.a. aus Gerichts­kosten und Anwalts­gebühren zusammensetzen. Zahlt diese Scheidungs­kosten die Rechtsschutzversicherung?


Nichts im Leben ist umsonst. Nicht die Ehe, und schon gar nicht die Scheidung. Für das gerichtliche Scheidungs­verfahren fallen zum einen Gerichts­kosten an, und zum anderen Anwalts­kosten. Da der Scheidungs­antrag durch einen Anwalt eingereicht werden muss, lassen sich die Anwalts­kosten nicht vollständig umgehen, sondern lediglich um die Hälfte reduzieren, wenn sich nur einer der Ehepartner einen Anwalt nimmt (einvernehmliche Scheidung).

Die meisten Rechts­schutz­versicherungen übernehmen nur anwaltliche Erst­beratung

Die Rechts­schutz­versicherungen in Deutschland zahlen in der Regel nicht die Scheidungskosten: Anwaltskosten und Gerichtskosten bei der Scheidung. Fast alle Versicherungen schließen in ihren Versicherungs­bedingungen den Ehe-Rechts­schutz aus. Lediglich die Kosten einer anwaltlichen außergerichtlichen Erst­beratung im Familien­recht werden von vielen Rechts­schutz­versicherungen übernommen. Dazu muss allerdings bemerkt werden, dass die anwaltliche Erst­beratung auf eine grobe Erst­ein­schätzung im Vorfeld des Scheidungs­prozesses beschränkt ist. Weitere Beratungen, Korrespondenz und gerichtliche Schritte sind davon nicht umfasst.

Auch sind die Kosten der anwaltlichen Erst­beratung ohnehin gesetzlich auf eine Gebühr von 190,00 Euro netto zuzüglich Auslagen und Mehrwert­steuer gedeckelt. Die Aussicht auf Erstattung der Anwalts­gebühren für eine Erst­beratung im Familien­recht ist für den Versicherungs­nehmer also eine sehr geringe Hilfe, wenn es wirklich ernst wird und die Ehe geschieden werden soll. Versicherungs­nehmer müssen also damit rechnen, dass sie die Scheidungs­kosten im Großen und Ganzen selbst tragen müssen.

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Nur eine Rechts­schutz­versicherung bietet vollen Versicherungs­schutz in Ehesachen an

Derzeit bietet unserer Kenntnis nur eine Rechts­schutz­versicherung die Übernahme der Scheidungs­kosten des gerichtlichen Scheidungs­verfahrens und damit die Erstattung von Gerichts- und Anwalts­gebühren an. Dies ist nach deren Aussage die ARAG, die einen Ehe-Rechts­schutz für das Scheidungs­verfahren sowie einen Unterhalts-Rechts­schutz anbietet. Der Ehe-Rechts­schutz umfasst laut ARAG „familien­rechtlichen Angelegenheiten wegen Getrennt­lebens, Scheidung oder Scheidungs­folgesachen“, wobei Rechtsanwalts- und Gerichts­kosten im Fall einer Scheidung bis zu 30.000,00 Euro Versicherungs­summe je Rechts­schutzfall versichert werden.

Ob sich der Abschluss eines solchen gesonderten Ehe-Rechts­schutz-Vertrags lohnt, oder ob man als Versicherungs­nehmer durch die dafür anfallenden Versicherungs­kosten eher draufzahlt, sollte vor Abschluss einer solchen Rechts­schutz­versicherung gründlich geprüft werden.

Über den Autor des Artikels:
Der Autor ist Rechtsanwalt in Berlin. Rechtsanwalt Wolfgang Eckes ist deutschland­weit im Scheidungs­recht tätig und betreibt mit seiner Kanzlei die Scheidungs­info­seite scheidung.services.

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Quelle:refrago
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2 Gedanken zu „Zahlt die Rechts­schutz­versicherung die Scheidung?

  • 30. Juli 2017 um 1:17
    Permalink

    Herzlichen Dank. Wenn sich spaeter ergibt, dass die von der Rechtsschutzversicherung bezahlte Erstberatung voellig falsch war, und das offenkundig war, wie ist dann bitte die RL ?

    Antwort
  • 31. Juli 2017 um 16:05
    Permalink

    Herzlichen Dank. Wenn sich spaeter ergibt, dass die von der Rechtsschutzversicherung bezahlte Erstberatung voellig falsch war, und das offenkundig war, wie ist dann bitte die RL ?

    Antwort

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