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Strafrecht und Strafvollzugsrecht | 02.08.2016

Haft­entlassung

Vorzeitige Haft­entlassung: Wann kann man vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen werden?

Wer wegen einer oder mehrerer begangener Straftaten eine Freiheits­strafe verbüßen muss, kann unter bestimmten Voraus­setzungen auf eine vorzeitige Haft­entlassung hoffen. Die Entscheidung darüber trifft auf Antrag des Straf­gefangenen oder von Amts wegen die Straf­voll­streckungs­kammer. Doch welche Voraus­setzungen müssen für eine frühzeitige Entlassung aus dem Gefängnis vorliegen?

Wann kann man vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen werden?

Unter welchen Voraus­setzungen eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis zulässig ist, richtet sich zum einen danach, ob der Straf­gefangene eine zeitige oder lebenslange Freiheits­strafe verbüßt.

Vorzeitige Haft­entlassung bei zeitiger Freiheits­strafe

  • nach zwei Drittel der Haftzeit
    Eine vorzeitige Haft­entlassung bei einer zeitigen Freiheits­strafe kommt gemäß § 57 Abs. 1 StGB nach Verbüßung von zwei Dritteln, mindestens jedoch zwei Monaten, der Freiheits­strafe in Betracht. Zudem darf die frühzeitige Haft­entlassung dem Sicherheits­interesse der Allgemeinheit nicht zuwiderlaufen und der Straf­gefangene muss der Haft­entlassung zustimmen. Die Entscheidung zur vorzeitigen Haft­entlassung wird darüber hinaus maßgeblich unter anderem davon beeinflusst, wie es etwa zur Straftat gekommen ist, in welchem Umfeld der Straf­gefangene lebte, wie dessen Persönlichkeit einzuschätzen ist, welches Verhalten er während des Straf­vollzugs an den Tag legte oder wie hoch die Rückfall­gefahr ist. Vereinfacht lässt sich sagen, dass eine positive Sozial­prognose eine frühzeitige Haft­entlassung wahrscheinlich macht. Fällt die Sozial­prognose dagegen negativ aus, sinken die Chancen auf eine vorzeitige Entlassung.

  • nach der Hälfte der Haftzeit
    Ein Straf­gefangener kann jedoch gemäß § 57 Abs. 2 StGB bereits nach der Hälfte der Haftzeit, frühestens jedoch erst nach sechs Monaten in Haft, eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis beantragen. Auch hier dürfen aber keine Sicherheits­interessen der Allgemeinheit der Entlassung entgegen­stehen und es ist eine Einwilligung des Straf­gefangen erforderlich. Hinzu kommt, dass der Straf­gefangene zum ersten Mal eine Freiheits­strafe verbüßen muss und diese auch nicht länger als zwei Jahre betragen darf. Außerdem kommt es wieder auf die positive Sozial­prognose an.

Wird der Antrag auf eine vorzeitige Haft­entlassung von der Straf­voll­streckungs­kammer abgelehnt, kann der Straf­gefangene erst nach einer Frist von höchstens sechs Monaten wieder einen entsprechenden Antrag stellen (§ 57 Abs. 7 StGB).

Vorzeitige Haft­entlassung bei lebens­langer Freiheits­strafe

Wer eine lebenslange Freiheits­strafe verbüßen muss, kann gemäß § 57a StGB frühestens erst nach 15 Jahren auf eine frühzeitige Haft­entlassung hoffen. Zudem dürfen die besondere Schwere der Schuld des Täters sowie das Sicherheits­interesse der Allgemeinheit einer Entlassung nicht entgegen­stehen. Außerdem muss der Straf­gefangene der Entlassung zustimmen und die Entlassung muss auf einer positiven Sozial­prognose beruhen.

Sollte die Straf­voll­streckungs­kammer die frühzeitige Haft­entlassung ablehnen, so kann der Straf­gefangene erst nach Ablauf einer Frist von höchstens zwei Jahren wieder einen entsprechenden Antrag stellen.

Lesen Sie zu diesem Thema auch folgende Rechts­fragen:

Fällt die Reststrafe weg?

Es ist zu beachten, dass durch die vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis nicht die Reststrafe wegfällt. Sie wird vielmehr in eine Bewährungs­strafe umgewandelt. Begeht der Täter in der Bewährungs­zeit eine Straftat oder hält er sich nicht an Auflagen und Weisungen, kann dies zum Widerruf der vorzeitigen Haft­entlassung führen und der Täter kommt wieder ins Gefängnis.

Bearbeitungsstand: 02.08.2016

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Kommentare (12)

 
 
Bianca schrieb am 21.10.2016

Unter was für voraussetzungen kann es zu einer Blitzentlassung kommen und was passiert da genau bez wie ist der Vorgang?

Titanin schrieb am 28.08.2016

Ey, Leute!

Wenn Ihr Mist macht, müßt Ihr es aussitzen!!

Tascha schrieb am 19.08.2016

Hallo mein freund geht am montag für 2 monate in die JVA. Er hat eine richterliche Anordnung bekommen das er früher raus kann wenn er eine Wohunung sich nimmt , aber ein Jahr alleine dort wohnen muss wegen durchsuchung. Kann das wirklich sein?

Sap schrieb am 03.06.2016

Hallo, mein Freund befindet sich seit gestern in der JVA Bremervörde. Er muss wegen Bewährungswiderruf dort 14 Monate absitzen (Betrug in drei Fällen).

Die damalige Strafe war 1.500 Euro á 50 Euro Monatsraten plus Bewährung bis April 2018 statt 14 Monate Haft.

Da er diese Raten nicht eingehalten hat, wurde seine Bewährung widerrufen.

Er war in der Jugend mal für zwei Wochen im Jugendarrest, ansonsten ist das seine erste Inhaftierung.

Meine Frage nun: Besteht die Möglichkeit einer vorzeitigen Haftentlassung? Falls ja, welche - 2/3 oder Halbstrafe?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

Vielen Dank im Voraus.

Nadja schrieb am 15.05.2016

Hallo mein Freund sitzt gerade 13 Monate in JVA wegen Verfälschung einer Straftat ( 5 Monate) und Beleidigung (5 Monate).zu dem hatte er 13 Monate auf Bewährung die nun auch dazu kommen. Er hat ein gewaltiges Problem mit dem Konsum von Kräutermischungen aus dem Internet, wenn er diese nicht rauchen konnte dann trank er viel. Seine Straftaten hat er unter Einfluss von Alkohol oder unter dem Einfluss von Kräutern begannen. Jetzt sitz er 13 Monate und ich glaube dass eine Therapie bei ihm sinnvoller wäre! Hätte man denn die Möglichkeit die Haftstrafe in Therapie noch umzuwandeln? Und wenn ja , wo und wie müsste er einen Antrag stellen?

Nadja antwortete am 15.05.2016

Vortäuschung einer Straftat

Andreas Schaefer schrieb am 24.04.2016

Wie heisst der Paragraph für eine vorzeitige Entlassung wenn man im Offenen Vollzug ist. Und man bekommt von ein Arbeitgeber einen Festvertrag. Damit kann man bis zu 6 Monate vor 2/3 Termin Entlassen werden.

Peter Kroll schrieb am 01.03.2016

Der verzapfte Unsinn dient nur dazu, Steuerhinterzieher nicht zu belangen bzw. früher wieder rauszulassen.

HansPeter Hahn schrieb am 01.03.2016

... mit einem heißen Draht zu einem/einer prominenten Spitzenpolitiker/In klappt das garantiert - ohne Wenn und Aber ...

freya22 schrieb am 17.08.2015

ich hatte einen Antrag auf vorzeitige Gestellt, nun bekam ich Post von einer Bewährungshelferin...können sie mir sagen ob das Gericht eine Positive Entscheidung trifft, ich sitze nämlich im Offenen Volzug

linda schrieb am 14.12.2014

Hallo, mein Freund setzt jetzt seid dem 06.09.13 in der JVA er war erst in plötzensee und vor 3 Monaten ist er nach Tegel genommen er müsste bis April 2016 setzen meine Frage ist könnte er in der JVA tegel ein Antrag auf vorzeitiger Entlassung machen und wenn ja ab wann ?

Liebe grüße Linda

vio antwortete am 01.03.2016

Er kann 11 Monate vor der Terminentlassung auf "zwei Drittel-Strafe" freigelassen werfen, auf Bewährung.

Berechnung: Sept. 2013 bis Apr. 2016 entspricht 32 Monate Gesamtfreiheitsstrafe. Nun davon zwei Drittel.

32 x 2 ÷ 3 = 11 Monate Reststrafe = letztes Drittel

Apr.2016 - 11 Monate = Mai 2015 Entlassungszeitpunkt für eine "zwei Drittel Entlassung" auf Bewährung.

Eine zwei Drittel Prüfung mus nicht beantragt werden. Das wird automatisch geprüft, sobald die Zeit ran ist. Man erhält einen Anhörungstermin vor der Strafvollstreckungskammer. Die Staatsanwaltschaft muss auch zustimmen. Man kann zu diesem Termin auch mit Rechtsanwalt erscheinen. Der kann besser reden und hat bessere Argumente. Man bekommt für diesen Anhörungstermin eine Beurteilung und Stellungnahme von der Anstalt. In den meisten Fällen ist die Anstalt gegen eine frühere Entlassung. Meist ist es so, dass zusätzliche (und teils unnötige) Bewährungsauflagen aufgebürdet werden wie z.B. eine Therapie (Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Anti-Aggressionstherapie, Impulskontroll-Therapie, Therapie bei Persönlichkeitsstörung). Dies geschieht meist auf Empfehlung der Anstalt, da es innerhalb des Vollzugs keine Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Es sei denn, jemand hat eine Einzelstrafe von über 2 Jahren wegen eines Sexualdeliktes bekommen. Dann kommt man innerhalb des Vollzugs auf eine Sozialtherapeutische Station oder Abteilung.

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