Vom Warenkorb zur Haustür28.08.2023

Welche Rechte und Pflichten haben Käufer im Online-Handel?Juristische Fragen zu Kaufvertrag, Widerrufsrecht, Gewährleistung, Rücksendung und vieles mehr

Viele Menschen bestellen heutzutage ihre Waren vermehrt online. Dabei können manchmal Herausforderungen auftreten oder Missverständnisse entstehen. Daher ist es sinnvoll, zu wissen, welche Rechte und Pflichten Verbraucher haben. Hier werden alle relevanten Informationen rund um dieses Thema erläutert.

Bei einer Bestellung müssen Käufer einige Dinge berücksichtigen, um keinen finanziellen Schaden zu erleiden. Dasselbe gilt genauso für Verkäufer, die gewisse Richtlinien einhalten müssen. Vom Warenkorb bis hin zur Auslieferung und der Rücksendung existieren rechtliche Bedingungen, die sowohl der Käufer als auch der Verkäufer einhalten sollte.

Vom Warenkorb zum Kaufvertrag

Um die juristischen Zusammenhänge besser zu erklären, ist es zunächst einmal wichtig kurz zu beschreiben, wie der gängige Ablauf einer Onlinebestellung aussieht:

  1. Die Ware in den virtuellen Warenkorb legen
  2. Zur Kasse gehen
  3. Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) zustimmen
  4. Lieferadresse und Zahlungsinformationen angeben
  5. Verbindlichen Kauf abschließen

Der erste Punkt, bei der eine Rechtshandlung stattfindet, ist die Zustimmung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Grundsätzlich gibt es kein Gesetz, das vorschreibt, dass Verkäufer dazu verpflichtet sind, die Geschäftsbedingungen anzugeben. Dafür gibt es jedoch die Informationspflicht, die Händler einhalten müssen. Das sind Auskünfte über die Zahlungsarten, Versandkosten und allgemeine Informationen über den Kaufvertrag.

Der Kaufabschluss ist eine rechtliche Zustimmung des Käufers. Wenn keine Benachrichtigung kommt, in der steht, dass die Ware vielleicht ausverkauft ist oder ein Preisfehler vorliegt, dann stimmt der Verkäufer diesem Kaufvertrag zu. Diese stillschweigende Zustimmung des Händlers wird als konkludentes Handeln bezeichnet.

Der Bestellprozess

Während des Bestellprozesses gibt es ebenfalls einige Bedingungen, die auf jeden Fall eingehalten werden müssen. Diese Faktoren sind dabei zu berücksichtigen:

  • Angabe der Lieferadresse und Zahlungsinformationen: So wie der Verkäufer eine Informationspflicht hat, so ist der Käufer ebenfalls dazu verpflichtet, korrekte Angaben zu seiner Lieferadresse, seinen persönlichen Daten und seinen Zahlungsinformationen offenzulegen. Außerdem gewährleisten diese vollständigen Angaben eine reibungslose Abwicklung der Transaktion und minimieren eventuelle Komplikationen während des Lieferprozesses.
  • Lieferung der Bestellung: Wenn all das abgeschlossen ist, geht es an die eigentliche Bestellung des Kunden. Hier ist es essenziell, dass die Lieferung sicher eingepackt wird, um Schäden, die bei der Zulieferung entstehen können, zu verhindern. Der Händler trägt bis zur endgültigen Zustellung die sogenannte Bringschuld. Das bedeutet, dass der Erfüllungsort beim Gläubiger liegt und der Schuldner die Leistung am Wohnsitz des Käufers erbringen muss.
  • Zustellung: Der Verkäufer trägt Verantwortung für die rechtzeitige und ordnungsgemäße Lieferung. Falls die Bestellung verspätet zugestellt wird, darf der Verbraucher unter bestimmten Umständen die Ware ablehnen. Wenn die Bestellung schließlich angekommen ist, sollte der Käufer das Paket auf Transportschäden kontrollieren. Wenn es offensichtliche Mängel hat, kann der Verbraucher die Annahme verweigern. Falls die Schäden erst im Nachhinein entdeckt wurden, kann der Käufer dennoch die bestellten Artikel zurückgeben.

Widerrufsrecht

Das Widerrufsrecht ist eine wichtige Regelung im Online-Handel, die es Käufern ermöglicht, vom Kaufvertrag zurückzutreten. Dieses Recht kann nur innerhalb der vorgeschriebenen Fristen in Kraft treten. Das soll Verbrauchern gestatten, die gekauften Artikel genauer zu prüfen und zu entscheiden, ob sie die Ware tatsächlich behalten möchten. In der Regel gibt es eine Widerrufsfrist von 14 Tagen nach Erhalt der Bestellung.

Die Bedingungen für die Rücksendung werden von Händlern festgelegt und können unterschiedlich ausfallen. Bei defekten oder falsch gelieferten Produkten sind die Rücksendekosten jedoch vom Verkäufer zu tragen.

Wenn es dennoch Unstimmigkeiten gibt, ist es ratsam, sich nach einer Rechtsschutzversicherung zu erkundigen, die rückwirkend greifen kann. Obwohl  ein nachträglicher Rechtsschutz selten ist, ist er trotzdem realisierbar. Ein Tarif lässt sich einfach ausfindig machen und kann auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden.

Gewährleistung und Garantie

Die Gewährleistung verpflichtet den Händler dazu, dem Käufer Waren zu liefern, die fehlerfrei sind und den vertraglichen Vereinbarungen entsprechen. Sollten bei der Übergabe dennoch Mängel vorhanden sein, kann der Kunde Ansprüche geltend machen, um eine Erstattung oder eine Preisminderung zu fordern.

Die Herstellergarantie hingegen ist eine freiwillige Zusicherung, die über die gesetzliche Gewährleistung hinausgehen kann. Hierzulande sind Verkäufer an eine Frist von zwei Jahren gebunden. In dieser Zeitspanne hat der Kunde das Recht, die Ware zurückzuschicken, wenn ein Defekt oder ein Problem auftritt. Falls das zweimal hintereinander geschieht, erhält der Käufer in der Regel den Kaufpreis zurück.

Rücksendungen und Umtausch

Im Online-Handel haben die Kunden das Recht, Produkte an den Händler zurückzusenden und den vollen Kaufpreis zu erhalten, wenn die Ware nicht ihren Vorstellungen entspricht. Anders als im Einzelhandel können beim virtuellen Einkaufen, die Artikel nicht vorher begutachtet werden. Daher gelten beim Online-Handel andere Richtlinien.

Selbstverständlich haben Händler diesbezüglich nicht nur die Pflicht den Kundenvorstellungen gerecht zu werden, sondern können auch eigene Bedingungen festlegen. Diese können beispielsweise:

  • die Fristen für Rücksendungen,
  • den Zustand der Ware bei Rückgabe oder
  • die Erstattungsmodalitäten betreffen.

Grundsätzlich ist ein Umtauschrecht nicht gesetzlich vorgeschrieben. Das wird in vielen Fällen aus Kulanzgründen angeboten und um die Kundenbindung zu fördern.

Kommunikation und Beschwerden

Eine klare und verständliche Kommunikation zwischen Käufer und Händler ist von großer Bedeutung. Der Verkäufer sollte umfassende Produktinformationen bereitstellen, um die Erwartungen des Käufers zu erfüllen. Gleichzeitig ist es essenziell, dass der Verbraucher alle notwendigen Informationen erhält.

Außerdem sollten die Verbraucher einen einfachen Zugang zum Servicecenter erhalten. So können Kunden bei Fragen oder Problemen Kontakt aufnehmen, um gewisse Unstimmigkeiten zu klären. Diese Gewährleistung sollte jeder Händler erfüllen können.

Nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes wurde 2019 festgelegt, dass Onlinehändler den Verbrauchern vor Vertragsschluss nicht zwingend eine Telefonnummer zur Verfügung stellen müssen. Erforderlich ist lediglich, dass den Kunden schnelle und effiziente Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme angeboten werden.

Diese und weitere Informationen sind unerlässlich, um bei der nächsten Bestellung zu wissen, welche Rechte und Pflichten ein Abnehmer hat. Es ist sinnvoll, sich mit der juristischen Grundlage auseinanderzusetzen, um rechtliche Missverständnisse zu vermeiden. Mit all diesen Vorschriften und Gesetzen können sich sowohl Händler als auch Käufer schützen.

Quelle:refrago/om
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