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Familienrecht | 11.01.2017

Scheidung

Was ist eine ein­vernehmliche Scheidung und was bringt sie?

Sich ohne großen Streit und kostengünstig scheiden lassen

Wer sich scheiden lassen möchte, der versucht dies oft im Rahmen einer „einvernehmlichen Scheidung“. Doch was heißt das eigentlich? Wann wird von einer einvernehmlichen Scheidung gesprochen und welche Vorteile bietet die einvernehmliche Scheidung gegenüber der „normalen Scheidung“?

Die Scheidung einer Ehe ist nur im Rahmen eines gerichtlichen Scheidungs­verfahrens vor dem Familien­gericht möglich. Wenn sich die Ehepartner über alle regelungs­bedürftigen Aspekte einschließlich der finanziellen Fragen einig sind, können sie die Durchführung einer ein­vernehmlichen Scheidung beantragen und dadurch Streit vermeiden und Kosten sparen. Allerdings eignet sich die ein­vernehmliche Scheidung nur unter bestimmten Voraus­setzungen.

Beide Ehepartner möchten sich scheiden lassen

Die erste Voraussetzung für die ein­vernehmliche Scheidung ist, dass beide Ehepartner auch wirklich die Scheidung wollen, so dass der Scheidungs­antrag durch einen der Partner, der dazu einen Rechtsanwalt benötigt, gestellt werden kann. Der andere Partner kann der Scheidung dann zustimmen, ohne dass er sich selbst von einem Rechtsanwalt vertreten lassen muss.

Das Trennungs­jahr

Für die ein­vernehmliche Scheidung müssen die Ehepartner bereits seit mindestens einem Jahr in Trennung leben, d.h. ihre eheliche Lebens­gemeinschaft beendet haben. Dies erfolgt durch die räumliche Trennung in verschiedenen Wohnungen oder zumindest die räumliche Trennung in der bisherigen gemeinsamen ehelichen Wohnung, in der beide Ehepartner während der Trennungs­zeit strikt voneinander getrennte räumliche Bereiche bewohnen müssen.

Der Scheidungs­antrag kann im Hinblick auf die Dauer des gerichtlichen Verfahrens bereits nach einer Trennungs­phase von zehn Monaten gestellt werden. Am Tag des Scheidungs­termins vor dem Familien­gericht muss jedoch das volle Trennungs­jahr abgelaufen sein.

Einigung über die Scheidungs­folgesachen

Neben dem Willen beider Ehegatten, die Scheidung zu vollziehen, müssen bei der ein­vernehmlichen Scheidung folgende Punkte einvernehmlich zwischen den Ehepartnern geregelt werden, so dass es keiner Entscheidung des Gerichts mehr bedarf:

So müssen sich die Ehepartner über die finanziellen Scheidungs­folgesachen einigen. Dazu gehört bei finanziellen Ungleich­gewichten zwischen den Partnern ggf. der Trennungs- und Nache­helichen­unterhalt. Die Ehepartner müssen sich auch über die Aufteilung des Hausrats einig werden sowie über die Frage, wer die Ehewohnung übernimmt und wer auszieht (wobei dies mit der Trennung meist bereits vorläufig entschieden wird).

Den Versorgungs­ausgleich (die Aufteilung der Renten­ansprüche) hingegen führt das Familien­gericht automatisch von Amts wegen durch. Allerdings können die Ehepartner auch eine individuelle außergerichtliche Einigung über den Versorgungs­ausgleich treffen oder dies bei Ehe­schließung in einem Ehevertrag regeln. Eine solche außergerichtliche Vereinbarung bedarf allerdings der notariellen Beurkundung.

Bei gemeinsamen Kindern müssen die Ehepartner das Sorgerecht und das Umgangs­recht für die Kinder einvernehmlich regeln und sich über den Kindes­unterhalt einigen.

Die Scheidungs­folgen­vereinbarung

Die Ehepartner können die klärungsb­edürftigen Scheidungs­folgen in einer sogenannten Scheidungs­folgen­vereinbarung verbindlich regeln. Dabei ist immer an die gesetzlichen Form­vorschriften wie die zwingende notarielle Beurkundung bei Regelungen zum Versorgungs­ausgleich zu denken.

Vorteile der ein­vernehmlichen Scheidung

Ein wichtiger Vorteil der ein­vernehmlichen Scheidung ist die gegenüber der streitigen Scheidung mögliche kurze Verfahrens­dauer. Der Scheidungs­antrag kann bei der ein­vernehmlichen Scheidung bis zu drei Monate vor Ablauf des Trennungs­jahres bei dem örtlich zuständigen Familien­gericht eingereicht werden. Es sind keine Auseinander­setzungen über die finanziellen Verhältnisse und Ansprüche sowie Beweis­aufnahmen durch das Gericht erforderlich, so dass es nur eines einzigen Termins vor dem Familien­gericht bedarf.

Zum Vergleich dazu: Wider­spricht einer der Ehepartner der Scheidung, so verlängert sich allein die gesetzliche Trennungs­zeit auf drei Jahre. Hinzu kommt die in der Regel wesentlich längere Verfahrens­dauer des streitigen Gerichts­verfahrens, für das oftmals mehrere Termine vor dem Familien­gericht erforderlich sind.

Ein weiterer Vorteil der ein­vernehmlichen Scheidung sind die gegenüber der streitigen Scheidung erheblich geringeren Kosten. Zum einen wird der Streitwert, nach dem sich Gerichts- und Anwalts­kosten bemessen, durch die außergerichtliche Regelung der finanziellen Scheidungs­folgen in vielen Fällen erheblich reduziert. Zum zweiten braucht sich bei der ein­vernehmlichen Scheidung nur derjenige, der die Scheidung beantragt, durch einen Rechtsanwalt vor Gericht vertreten lassen. Der Ehepartner kann dem Antrag zustimmen, ohne dazu einen eigenen Anwalt beauftragen zu müssen. Die dadurch gesparten Anwalts­kosten können die Ehepartner in ihrer Scheidungs­folgen­vereinbarung untereinander aufteilen.

Auch bei einvernehmlicher Scheidung: Im Zweifel nicht ohne meinen Anwalt

Dieser durch den Verzicht auf einen Anwalt zunächst als Kosten­sparmaßnahme erscheinende Vorteil kann sich für einen der Ehepartner jedoch als großer Nachteil erweisen. Denn der Anwalt, der den Scheidungs­antrag bei Gericht einreicht, ist eben nicht der „gemeinsame“ Anwalt beider Ehepartner, sondern ist der ausschließliche Anwalt des einen Partners, der ihn beauftragt. Der andere Ehepartner stimmt dem Scheidungs­antrag lediglich zu. Der Anwalt hingegen nimmt ausschließlich die Interessen seines Auftrag­gebers wahr.

Bei Uneinigkeit über die Scheidungs­folgen kann eine streitige Scheidung im Einzelfall unvermeidbar sein. Insbesondere bei großem Vermögen, über das sich auseinanderzusetzen ist, und bei finanziellem Ungleich­gewicht zwischen den Ehepartnern sollte der „schwächere“ Partner nicht auf die Wahrnehmung seiner Rechte verzichten. So kann sich in jedem Fall die Beauftragung eines eigenen Anwalts zwecks Prüfung der Ansprüche empfehlen. Einer ein­vernehmlichen Scheidung steht auch nach Beratung durch einen eigenen Anwalt und der Regelung der Scheidungs­folgen unter Berücksichtigung der eigenen Interessen nichts im Wege.

Quelle: refrago/we

Bearbeitungsstand: 11.01.2017

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