Werbung
Werbung

Arbeitsrecht | 04.04.2014

Abgemahnt vom Arbeitgeber: Was kann man gegen eine Abmahnung vom Chef tun?

Fachbeitrag von Rechtsanwalt Thilo Seelbach, LL.M.

Leider kommt es immer wieder vor, dass Arbeitnehmer von ihrem Chef abgemahnt werden. Dabei gibt es berechtigte und unberechtigte Abmahnungen. Was kann man als Arbeitnehmer tun, wenn man eine Abmahnung erhalten hat?

Die Abmahnung kann der erste Schritt zu einer Kündigung sein. Häufige Gründe für Abmahnungen sind zum Beispiel Unpünktlichkeit, Beleidigungen von Kollegen oder Kunden, Mobbing, ungenügende Arbeitsleistung oder sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.

Werbung
Bei Abmahnung zunächst Ruhe bewahren

Eine Abmahnung muss erst mal verarbeitet werden. Oft fühlen sich Arbeitnehmer, die eine Abmahnung erhalten haben zu Unrecht behandelt. Wer abgemahnt wurde, sollte sich zuerst ganz ruhig überlegen, ob die Abmahnung nicht zu Recht ausgesprochen wurde. Fühlt man sich nach gründlicher Überlegung ungerecht behandelt, dann sollte man sich gegen die Abmahnung zur Wehr setzen.

Nicht verbal ausfällig werden!

Sich gegen eine Abmahnung wehren, bedeutet aber nicht, dass man gegenüber seinem Chef ausfällig wird. Das würde die ganze Angelegenheit nur viel schlimmer machen. Es heißt: Ruhe bewahren!

Schriftliche Gegendarstellung

Der Abgemahnte hat die Möglichkeit in einer schriftlichen Gegendarstellung zu erläutern, warum er die Abmahnung für unbegründet hält. Er kann in der schriftlichen Gegendarstellung seine Sicht der Dinge darlegen. Hilfreich kann es sein, vor Erstellung der schriftlichen Gegendarstellung Einsicht in die Personalakte zu nehmen. So kann man den vorgeworfenen Sachverhalt besser und genauer ermitteln und adäquater zu dem Vorwurf Stellung nehmen.

Schriftliche Gegendarstellung in die Personalakte

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die schriftliche Gegendarstellung des Arbeitnehmers zur Personalakte zu nehmen. Auch wenn der Arbeitgeber meint, der Inhalt der schriftlichen Gegendarstellung sei falsch oder unvollständig ist er verpflichtet, die Gegendarstellung der Personalakte beizufügen.

Der Arbeitgeber darf die schriftliche Gegendarstellung nur dann wieder aus der Personalakte entfernen, wenn er auch die entsprechende Abmahnung beseitigt.

Werbung
Beschwerde beim Betriebsrat

Gibt es in dem Unternehmen, in dem der abgemahnte Arbeitnehmer arbeitet, einen Betriebsrat, dann kann der Arbeitnehmer auch Beschwerde beim Betriebsrat einreichen. Der Betriebsrat kann versuchen, zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu vermitteln und die Wogen zu glätten. Ein Mitspracherecht hat der Betriebsrat vor Ausspruch der Abmahnung allerdings nicht.

Vor dem Arbeitsgericht auf Entfernung der Abmahnung klagen

Schließlich steht dem Arbeitnehmer noch die Möglichkeit offen, sich gerichtlich gegen die Abmahnung zu wehren. Er kann vor dem Arbeitsgericht klagen. Ziel einer solchen Klage ist die Entfernung der Abmahnung aus der Personalakte.

Ein Fachbeitrag von [Anbieter­kenn­zeichnung]

Bearbeitungsstand: 04.04.2014

BewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertung: 3.8 (max. 5)  -  6 Abstimmungsergebnisse Bitte bewerten Sie diesen Artikel.0
 
Werbung

Kommentare (3)

 
 
Maya schrieb am 04.07.2016

Wie sieht es denn bei einer berechtigen Abmahnung aus ??

Sollte man dann auch eine Beratung bei einem Anwalt in Anspruch nehmen oder die Sache auf sich beruhen lassen ?

Michael Krämer schrieb am 08.04.2014

Die in der Abhandlung aufgezeigten Möglichkeiten sind zwar formal rechtlich richtig, aber zumeist aus taktischen und psychologischen Gründen nicht zu empfehlen.

Der Arbeitgeber ist nämlich später im Falle einer Kündigung weiterhin voll beweispflichtig dafür, dass die Abmahnung inhaltlich komplett richtig und berechtigt war. Kann er das nicht und hat er die Kündigung u.a. mit der Abmahnung begründet, so bestehen sehr gute Chancen für den Arbeitnehmer die Kündigung erfolgreich anzufechten.

Wenn er dagegen schon vorher eine ausführliche Gegendarstellung zur Personalakte reicht, kann sich der Arbeitgeber darauf einstellen.

Besser ist es, lediglich die Erklärung in die Personalakte aufnehmen zu lassen, dass die Abmahnung falsch und unberechtigt sei. Außerdem sei man vorher nicht an gehört worden.

Nicht mehr und nicht weniger.

Eine Klage auf Entfernung bringt überhaupt nichts, außer dass noch mehr Porzellan zerschlagen wird und die Chemie tiefgreifend beschädigt wird.

Außerdem: wenn die Klage gegen die Abmahnung verloren geht, steht für die Zukunft rechtskräftig fest, dass sie berechtigt und richtig war, gewinnt der Arbeitnehmer die Klage, so wird zwar die Abmahnung in der Personalakte als ungültig behandelt, der Arbeitgeber fühlt sich nur angestachelt baldmöglichst was Neues zu suchen.

Außerdem verliert der Arbeitnehmer damit die Chance, sich in einem späteren Kündigungsschutzprozess auf die unwirksame Abmahnung zu berufen und damit die Kündigung zu Fall zu bringen.

Nach ca. 2 Jahren verliert die Abmahnung im Regelfall sowieso ihre rechtliche Bedeutung. Sollte der Arbeitgeber bei einer späteren Kündigung sich dennoch darauf berufen, macht er ebenfalls seine Kündigung mit diesem formalen Fehler wieder leichter angreifbar.

Rechtsanwalt Thilo Seelbach, LL.M.SI Rechtsanwaltsgesellschaft mbH antwortete am 09.04.2014Rechtsanwalt Thilo Seelbach, LL.M. präsentiert vom Deutschen AnwaltsregisterKurfürstendamm 36, 10719 Berlinwww.si-recht.defacebook

Welche Schritte auf eine Abmahnung hin angebracht sind, und welche nicht, ist in jedem Einzelfall fachkundig zu überprüfen. Ob eine schriftliche Gegendarstellung, eine Beschwerde beim Betriebsrat oder eine Klage auf Entfernung aus der Personalakte angebracht ist, kann nicht pauschal beantwortet werden.

Allerdings ist es in den allermeisten Fällen nicht anzuraten, gar nichts zu unternehmen: Denn dann ist im Falle einer erneuten Abmahnung in der Regel sehr viel eher damit zu rechnen, dass eine Kündigung des Arbeitgebers durchgeht und dass eine Kündigungsschutzklage ins Leere läuft.

Wer keine begründete Gegendarstellung zur Personalakte reicht, muss sich unter Umständen entgegenhalten lassen, dass er den vorgeworfenen Sachverhalt eingesteht.

Und wer nicht klagt, obwohl eine Klage geboten wäre, stellt sich möglicherweise als „leichterer“ Gegner dar, der im Falle mehrerer Kündigungskandidaten vom Arbeitgeber zuerst gekündigt wird.

Der Arbeitgeber trägt zwar die Beweislast dafür, dass eine Abmahnung berechtigt war. Er dokumentiert aber in aller Regel auch die Umstände (einschließlich etwaiger Zeugenaussagen) besser, als der Arbeitnehmer.

Natürlich kann es im Einzelfall auch anzuraten sein, lediglich kurz und bündig zu erklären: „Die Abmahnung ist falsch und unberechtigt.“ Dabei sollten aber alle Umstände des jeweiligen Falls berücksichtigt werden und nicht nur darauf gehofft werden, dass der Arbeitgeber in nächster Zeit keinen neuen Abmahngrund findet.

Pauschale Tipps gibt es leider nicht. Statt dessen ist eine fachkundige rechtliche Überprüfung zu empfehlen. Arbeitgeber lassen sich bei Abmahnungen übrigens in aller Regel auch rechtsanwaltlich beraten.

 
Sie brauchen Hilfe vom Profi?

Finden Sie eine Anwältin oder Anwalt aus Ihrer Region in Deutschlands großer Anwaltssuche.

 

refrago ist ein Service der ra-online GmbH, der sich zum Ziel gesetzt hat, leicht verständliche Erklärungen für Rechtsfragen von allgemeinem Interesse zu finden.

Alle Ausführungen auf refrago erfolgen ohne Gewähr und ersetzen keine Rechtsberatung. refrago empfiehlt bei individuellen Rechtsfragen, einen Anwalt zu konsultieren, den Sie z.B. unter www.anwaltsregister.de finden können.